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Hoher Besuch 2012 bei der Eröffnung der Moschee auf der Wilferdinger Höhe in Pforzheim: Das Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hazrat Mirza Masroor Ahmad, kam extra angereist. In Karlsruhe wird er vor über 30.000 Gläubigen sprechen. © PZ-Archivbild: Seibel
29.05.2015

Mehr als 30.000 Ahmadiyya-Muslime treffen sich in Karlsruhe

Karlsruhe. In Stuttgart ist evangelischer Kirchentag, in Karlsruhe die «Jalsa Salana» der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft. Dazu werden vom 5. bis 7. Juni aus ganz Deutschland mehr als 30.000 Mitglieder erwartet: Drei Tage lang versammeln sie sich zu Gebeten, Ansprachen und Gesprächen in Messehallen, getrennt nach Mann und Frau - damit die Vertiefung in den Glauben von Ablenkung ungestört bleibt, wie das der Stuttgarter Ahmadiyya-Sprecher Kamal Ahmad erklärte.

Bildergalerie: Moschee-Eröffnung mit Kalif Mirza Masro

«Es geht darum, den spirituellen Akku aufzuladen», sagte der Jurist. Höhepunkt sind die täglichen Reden von Kalif Mirza Masrur Ahmad. Das in London lebende geistige Oberhaupt der Ahmadiyya-Gemeinde wendet sich auf Urdu, also in der Landessprache Pakistans, an die Gläubigen. Dolmetscher übertragen die Ansprache ins Deutsche. Schließlich hat die Gemeinde in Deutschland etliche Konvertiten gefunden, so auch ihren Bundesvorsitzenden Abdullah Wagishauser. In Pforzheim gibt es auf der Wilferdinger Höhe eine Ahmadiyya-Moschee, die schon mehrfach von Wagishauser besucht wurde und vom Kalifen aus London eingeweiht wurde.

Gegründet wurde die islamische Religionsgemeinschaft 1889 in Nordindien von Mirza Ghulam Ahmad. Der als Prophet und Messias betrachtete Geistliche wandte sich gegen eine wörtliche Auslegung des Korans, gegen jeden Gebrauch von Gewalt in Fragen der Religion und betonte die Gleichwertigkeit von Frau und Mann.

«Wir sehen den Glauben von innen nach außen und sind überzeugt, dass es eine lebendige Beziehung zwischen der Schöpfung und ihrem Schöpfer gibt», sagte Kalif Ahmad in einem Gespräch zur diesjährigen «Jalsa Salana», die bereits zum 40. Mal stattfindet, seit 2011 in Karlsruhe.

Regionale Schwerpunkte von Ahmadiyya in Deutschland sind das Rhein-Main-Gebiet - erst in dieser Woche wurde in Hanau eine neue Moschee eröffnet -, Hamburg und die Neckar-Schiene von Mannheim über Heidelberg bis Stuttgart. Aber auch in Berlin gebe es eine wachsende Gemeinde, sagte Ahmad.

Andere islamische Gemeinden betrachten Ahmadiyya als eine Sekte. Für türkische Muslime in Karlsruhe ist das Treffen auf dem Messegelände kein besonderes Thema. «Jede Gemeinde geht ihren eigenen Weg», sagte der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde (Ditib) in Karlsruhe, Lütfü Azal.

Mit der Betonung eines spirituellen Weges zu Gott lässt sich Ahmadiyya der breiten Strömung islamischer Mystik zuordnen, unter ihnen Sufi-Gemeinschaften wie der im heutigen Usbekistan entstandenen Naqschbandi-Tarika. «Aber mit dem Tanz der Derwische haben wir nichts zu tun», sagte Ahmad. Wie andere islamische Gemeinden wendet sich Ahmadiyya gegen Salafisten und weitere fundamentalistische Strömungen - und zeigt so auch, dass es «den Islam» nicht gibt.