Beginn Prozess zu Krawallnacht in Stuttgart
Das Stuttgarter Landgericht sprach einen 17-Jährigen am Freitag wegen versuchten Totschlags, Landfriedensbruch und Angriff auf einen Polizisten und gefährlicher Körperverletzung schuldig. 

Mehrjährige Haftstrafen nach brutaler Attacke in Stuttgarter Krawallnacht

Stuttgart. Nach einer besonders brutalen Attacke in der Stuttgarter Krawallnacht ist ein junger Randalierer unter anderem wegen versuchten Totschlags zu einer Jugendhaftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Stuttgarter Landgericht sprach den 17-Jährigen am Freitag auch des Landfriedensbruchs, eines Angriffs auf einen Polizisten und der gefährlicher Körperverletzung schuldig, wie ein Gerichtssprecher nach Abschluss des nichtöffentlichen Prozesses mitteilte. Der Jugendliche aus Geislingen/Steige soll in der aufgeheizten Juni-Nacht unter anderem einen am Boden liegenden und bereits bewusstlosen Studenten gegen den Kopf getreten haben.

Das Landgericht Stuttgart verhandelt eine Anklage zu den Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt im Juni 2020. Fot
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Auch der 19 Jahre alter Begleiter des Jugendlichen muss wegen der Attacke auf den unbeteiligten Studenten ins Gefängnis. Der Esslinger wurde von der Jugendstrafkammer unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die beiden Deutschen gehören zu den 130 Verdächtigen, die die Polizei bislang zur Krawallnacht ermittelt hat.

Nach einer Drogenkontrolle am späten 20. Juni 2020 hatten Dutzende vor allem junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt randaliert. Polizisten wurden bedroht, beworfen, getreten und verletzt, Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Schaulustige feuerten die Menge dabei an. Die Vorfälle hatten weit über Stuttgart hinaus für Schlagzeilen und hitzige Debatten gesorgt. Videoüberwachung, Alkohol- und Aufenthaltsbeschränkungen wurden diskutiert, erste Kameras an zentralen Plätzen geplant.

Polizei sucht nach weiteren Randalierern

Nach monatelangen Ermittlungen zur Stuttgarter Krawallnacht geht die Polizei auf der Suche nach weiter flüchtigen Randalierern an die Öffentlichkeit. Vom kommenden Montag an würden Fahndungsfotos von 17 bislang nicht identifizierten mutmaßlichen Tätern aus der Juni-Nacht des vergangenen Jahres veröffentlicht, sagte eine Polizeisprecherin. Zu jedem einzelnen Verdächtigen auf den Abbildungen gebe es einen richterlichen Beschluss.

Bei den nächtlichen Auseinandersetzungen im Juni hatten Dutzende vor allem junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt ra
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Stuttgarter Krawallnacht: Haftstrafen für zwei Randalierer


Bislang ermittelte die Polizei 130 Tatverdächtige, darunter 46 Jugendliche, 48 Heranwachsende und 35 Erwachsene sowie eine Person, die rechtlich noch als Kind zählt.

«Die Ermittlungsbehörden lassen nicht locker, Detail für Detail dieser Nacht ans Tageslicht zu bekommen», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Es seien 79 Haftbefehle im Zusammenhang mit den Ausschreitungen erlassen worden, 26 Tatverdächtige säßen in Untersuchungshaft. Zusammengerechnet verhängten die Richter bislang in den Verfahren an mehreren Amts- und Landgerichten 40 Jahre Freiheitsstrafe ohne und 20 Jahre mit Bewährung.

Thomas_Strobl
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Die meisten dieser Urteile wurden vor dem Stuttgarter Amtsgericht gesprochen. «Wir haben bislang 34 Urteile in erster Instanz verkündet», sagte dessen Sprecher Joachim Spieth. Es seien auch nochmal fast genau so viele anhängig. «Man kann eigentlich fast sagen, dass täglich neue dazukommen.»