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Frank Mentrup (SPD, links), bejubelt seinen Sieg bei der Oberbürgermeister-Wahl in Karlsruhe. Mit ihm freut sich Nils Schmid (SPD), stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg. © dpa
03.12.2012

Mentrup wird neuer OB: Karlsruher CDU verliert in der Innenstadt

Die Niederlage bei der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe bringt die CDU in neue Nöte. Nach Frankfurt/Main und Stuttgart ging ihr die dritte Großstadt in diesem Jahr verloren. Der 48 Jahre alte SPD-Politiker Frank Mentrup gewann am Sonntag schon im ersten Wahlgang trotz sechs Mitbewerbern deutlich mit 55,25 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 42,2 Prozent.

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Die CDU hat bei der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe vor allem in den Zentrumsbezirken verloren. Hier kam der unterlegene Kandidat Ingo Wellenreuther teilweise nur auf knapp 25 Prozent. «Der CDU gelingt es nicht mehr, das Lebensgefühl der Städter anzusprechen», sagte der Tübinger Wahlforscher Hans-Georg Wehling am Montag der Nachrichtenagentur dpa. «Vor allem junge Frauen kann sie nicht mehr erreichen. Sie wird immer mehr zur Partei der alten Männer und karrieresüchtigen jungen Leute von der Jungen Union.»

Wellenreuther hatte am Sonntagabend nur 35 Prozent erreicht. Damit dürfte die Debatte in der CDU weitergehen, wie man in Großstädten wieder punkten kann. Erste Möglichkeiten dazu bietet der Bundesparteitag, der am Dienstag in Hannover beginnt.

Für die CDU Baden-Württemberg zerplatzte am Sonntag die Hoffnung, nach den Niederlagen im Land und in Stuttgart den Negativtrend zu stoppen. Sie verlor mit Karlsruhe nicht nur eine Hochburg, die sie 42 Jahre lang gehalten hat - die CDU stellt auch ansonsten in keiner Großstadt mehr den Oberbürgermeister.

«Das war's dann endgültig als Großstadtpartei», sagte der SPD-Parteivorsitzende und Finanzminister Nils Schmid am Wahlabend. Mit der CDU verbinde kaum noch jemand Vielfalt, Modernität und Urbanität.

Margret Mergen, CDU-Bürgermeisterin in Karlsruhe und bei der internen Kandidatenkür gegen Wellenreuther unterlegen, mahnte, das Ergebnis als «Weckruf für die CDU» zu werten: «Die CDU muss darüber nachdenken, wie sie in der Stadt wieder attraktiver werden kann. Wir müssen uns öffnen und den Dialog auch mit Andersdenkenden suchen.»

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