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Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Stefan Wolf, hält eine starre Quote für den falschen Weg, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen.
Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Stefan Wolf, hält eine starre Quote für den falschen Weg, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. © dpa
07.01.2015

Metall-Arbeitgeber wollen Schatz an Fachwissen nicht verlieren

Die Metall-Tarifvertragsparteien wollten qualitative Themen schon vor der regulären Tarifrunde lösen. Das ist gescheitert. Jetzt muss eine Lösung am Verhandlungstisch her. Die wird voraussichtlich besonders schwierig beim Thema Altersteilzeit.

Die IG Metall beißt mit ihrer Forderung, den individuellen Anspruch auf Altersteilzeit zu erhalten, bei den Arbeitgebern auf Granit. Diese sehen bei wachsendem Fachkräfteverlust wegen der Rente mit 63 keinen Spielraum dafür. «Mit Ansprüchen können wir nicht leben - die Menschen müssen eher länger arbeiten», sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Ob jemand geht und wer geht, sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam entscheiden können. Unternehmen dürfe nicht plötzlich ein «enormer Schatz an Fachwissen» weggenommen werden. Die Tarifvertragsparteien treffen am 14. Januar 2015 erstmals zusammen.

Die IG Metall geht mit den Forderungen nach einer finanziell besser ausgestatteten Altersteilzeit sowie nach einer geförderten Qualifizierungs-Teilzeit in die Gespräche. Zum Forderungspaket gehört auch eine Entgelterhöhung um 5,5 Prozent.

Die Firmen spüren nach Angaben des Südwestmetallchefs die Folgen der Rente mit 63: Mehr als 50 Prozent berichten, dass sie Fachkräfte verlieren. Doch das sei erst der Anfang: «Wir werden in zehn Jahren ein richtiges Problem kriegen, wenn die starken Jahrgänge der 1958 bis 1965 Geborenen ins Rentenalter kommen.» Die Flut von bundesweit 230 000 Anträgen habe auch das Bundesarbeitsministerium überrascht. Die Warnrufe der Wirtschaft seien in Berlin ungehört verhallt.

Auch beim Thema geförderte Weiterbildungsteilzeit zeigte Wolf sich nicht kompromissbereit. «Ich sehe überhaupt keinen Regelungsbedarf. Wir können den baden-württembergischen Tarifvertrag zur Qualifizierung mit seinem individuellen Anspruch auf Teilzeit für Weiterqualifizierung sofort wieder in Kraft setzen.» Die bisherigen Möglichkeiten seien gar nicht alle genutzt worden. «Wer es machen will, kann sich heute schon sehr gut weiterbilden, ohne, dass er auf jegliches Einkommen verzichten muss.»

Laut Wolf gibt es bereits viele individuelle Betriebsvereinbarungen, durch die die Kosten etwa für einen Meister-Abschluss zu 50 bis 100 Prozent bezuschusst würden. Im Gegenzug müssten sich die Arbeitnehmer zu einem zeitlich befristeten Verbleib im Betrieb verpflichten. «Was wir aber nicht wollen, ist ein Zwang für die Betriebe, persönliche Weiterbildung zu finanzieren.» So mancher Arbeitnehmer sei mit seiner neuen Qualifikation gar nicht mehr in der Firma einsetzbar und Ersatz für dessen ursprüngliche Tätigkeit nicht zu finden. «Man kann auch Menschen am Bedarf vorbei qualifizieren.»

Die Entgeltforderung von 5,5 Prozent hält Wolf für absolut unangemessen. Aus Inflation und Produktivitätsfortschritt ergebe sich maximal eine Erhöhung von 1,5 Prozent. Für die von der IG Metall beanspruchte Umverteilungskomponente gebe es keine Begründung: «Es gibt nichts mehr umzuverteilen.» Die Branche liege bei Umsatz und Umsatzrendite 2014 noch unter dem Niveau von 2007. Die Unternehmen hätten das in der Krise 2008/09 aufgezehrte Eigenkapital zum Erhalt der Stammarbeitsplätze noch nicht wieder aufgebaut. Für 2015 erwartet Wolf ein Wirtschaftswachstum von höchstens einem Prozent. «Deshalb ist Maßhalten angesagt.»

Metaller können nach Wolfs Meinung nicht über geringe Bezahlung klagen. Mit Durchschnittseinkommen von 57 000 Euro brutto im Jahr - ohne Geschäftsführer und Vorstände - lägen sie in der Spitzengruppe. Das Argument der IG Metall, das Plus könne die Binnenkonjunktur ankurbeln, lässt er nicht gelten. «Wir haben an dieser Front mit einem durchschnittlichen Zuwachs der Gehälter von 5000 Euro in den vergangenen zwei Tarifrunden genug getan.» Weitere hohe Zuwächse würden kurzfristig die Konjunktur beleben, aber mittelfristig Jobs kosten. «Dann hätten wir richtig Kaufkraftverlust.»