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Im Metalltarifkonflikt gibt es keine Weiterentwicklung. Es droht der erste Streik seit 2002.
Im Metalltarifkonflikt gibt es keine Weiterentwicklung. Es droht der erste Streik seit 2002. © dpa
15.05.2012

Metalltarifkonflikt: Experten scheitern, Streik droht

Die von IG Metall und Metall-Arbeitgebern eingesetzte Expertenkommission hat nach dpa-Informationen keine Wege aus dem festgefahrenen Tarifkonflikt gefunden. Auch nach den Bemühungen der «betrieblichen Praktiker» um eine Annäherung seien die Positionen bei den Themen Übernahme und Leiharbeit nach wie vor weit voneinander entfernt, hieß es am Dienstag. Insofern sei eine Einigung noch lange nicht in Sicht.

Die Tarifvertragsparteien haben am Dienstag in Sindelfingen bei Stuttgart die letzte Chance, Lösungen zu finden und so einen Streik in der Metall- und Elektroindustrie abzuwenden. Sie treten im traditionellen Pilottarifbezirk am frühen Nachmittag zu ihrer fünften Gesprächsrunde zusammen.

Die IG Metall fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche 6,5 Prozent mehr Lohn, die unbefristete Übernahme der Ausgebildeten und mehr Mitbestimmung beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeber lehnen die qualitativen Forderungen ab und bieten drei Prozent mehr Lohn für 14 Monate an. Falls es Schritte in die richtige Richtung gebe, werde am 22. Mai weiterverhandelt, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann vor Verhandlungsbeginn. Dann werde die Lohnfrage im Vordergrund stehen. Ansonsten wird am Mittwoch die Große Tarifkommission voraussichtlich über einen Arbeitskampf abstimmen.

DGB-Chef Michael Sommer stellte sich demonstrativ an die Seite der IG Metall. «Wir haben das Land nicht aus der Krise geführt, um uns jetzt mit Almosen abspeisen zu lassen», sagte er am Dienstag bei einer Kundgebung in Osnabrück. Die Forderung von gleichem Lohn für gleiche Arbeit sei ein altes Prinzip, das die Gewerkschaften nicht aufgeben würden, betonte der DGB-Chef mit Blick auf die IG Metall-Forderung nach fairen Bedingungen für Leiharbeiter. Hartmut Riemann von der IG Metall Osnabrück fügte vor über 2000 Beschäftigten aus 17 Betrieben hinzu: «Die Arbeitgeber müssen wissen, dass wir am Vorabend eines Arbeitskampfes stehen.»

Im Tarifkonflikt bei Europas größtem Autobauer VW haben rund 20 000 Beschäftigte am Dienstag in Wolfsburg zwei Stunden die Arbeit ruhen lassen und damit der Forderung der IG Metall nach 6,5 Prozent mehr Geld für die 102 000 Beschäftigten der sechs VW-Werke und der VW-Finanztochter Nachdruck verliehen. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt. dpa