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25.03.2013

Mildere Strafe für Frau nach Hungertod ihres Kindes

Mannheim. In der Neuauflage des Prozesses um den Hungertod von Marcel ist die angeklagte Mutter mit einer milderen Strafe belegt worden. Die ursprünglich festgelegte Haftstrafe von neuneinhalb Jahren unter anderem wegen Totschlags durch Unterlassen wurde auf fünfeinhalb Jahre verkürzt. Die Richter hielten der Frau zugute, dass sie ihr schwerbehindertes Kind über Jahre hingebungsvoll gepflegt habe. Zudem habe sie die Diagnose, dass der neunjährige Marcel an dieser Krankheit sterben werde, sehr belastet. Die Frau hatte Anfang 2010 seine Ernährung durch eine Magensonde eingestellt.

Die Angeklagte, die aus einem sozial schwierigen Umfeld kommt, verfolgte den Prozess unter Tränen. Zur Tat äußerte sie sich nur knapp: «Ich kann nur sagen, dass es mir echt leidtut, dass es so passiert ist, wie es passiert ist.» Da sie seit 19 Monaten in Untersuchungshaft sitzt und unter Umständen ein Drittel ihre Strafe erlassen bekommt, könnte sie bereits in rund zwei Jahren wieder auf freiem Fuß sein.

Im ersten Verfahren hatten die Richter die hohe Strafe damit begründet, dass die Frau keinerlei Mitgefühl zeige. Die Verteidigung ging in Revision - mit Erfolg. Der Bundesgerichtshof wies darauf hin, dass diese Einschätzung einigen Ausführungen des Urteils widerspreche. Dort war unter anderem davon die Rede, dass Marcel ein Wunschkind war, und dass sich die Mutter «nach ihren besten Kräften und liebvoll» um ihn gekümmert habe. Deshalb musste eine neue Kammer des Landgerichts die Sache prüfen.