nach oben
Ministerin warnt türkische Mädchen vor beruflichen Festlegungen.
Ministerin warnt türkische Mädchen vor beruflichen Festlegungen © dpa
16.05.2011

Ministerin warnt türkische Mädchen vor beruflichen Festlegungen

STUTTGART. Die neue Integrationsministerin Bilkay Öney hat türkische Mädchen vor einer zu frühen Festlegung auf typische Frauenberufe mit geringer Qualifikation und magerem Gehalt gewarnt. «Die jungen Frauen müssen auf eigenen Beinen stehen können, ohne von Familie oder Ehemann abhängig zu sein», sagte sie der Nachrichtenagentur dpa am Montag in Stuttgart.

Die Scheidungsraten zeigten, wie notwendig dies sei. Zudem begrüßte sie eine neue Arbeitsgruppe, die die Chancen von türkischen Jugendlichen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verbessern soll: «Integration ist immer Integration in Arbeit und Ausbildung.»

Die beiden türkischen Generalkonsulate in Stuttgart und Karlsruhe und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit haben die Arbeitsgruppe am Montag in Stuttgart aus der Taufe gehoben. Zwar sei die türkische Gemeinde mit knapp 20 Prozent die größte Gruppe der Menschen mit ausländischen Wurzeln im Südwesten. Doch sei sie aufgrund von Sprach- und Ausbildungsdefiziten besonders von Arbeitslosigkeit betroffen, hieß es in einer Mitteilung der Regionaldirektion.

Öney sagte, noch immer seien die Perspektiven für junge Menschen mit Migrationsgeschichte auf dem Ausbildungsmarkt schlechter als für Deutsche; auch die Abbrecherquoten seien bei Lehrlingen mit ausländischen Wurzeln höher als bei Deutschen. Ein besonderer Fokus müsse auf die Eltern als «Katalysator» für Arbeit und Ausbildung junger Türken gelegt werden. «Ich wünsche mir auf Elternseite mehr Interesse für die Zukunft der Kinder.» Zum Vergleich zwischen Baden-Württemberg und Berlin, wo sie Abgeordnete im Landesparlament ist, sagte die 40-Jährige mit Blick auf die Arbeitslosenquote im Südwesten von derzeit 4,2 Prozent: «Hier ist die Situation der Menschen mit Migrationshintergrund sehr viel komfortabler als in Berlin, wo es kaum Industriearbeitsplätze gibt.»

Ziel der durch eine gemeinsame Erklärung besiegelten Kooperation zwischen Regionaldirektion und den Generalkonsulaten ist es, türkische Jugendliche für den leergefegten Fachkräftemarkt zu gewinnen. Die Chefin der Regionaldirektion, Eva Strobel, sagte: «Die Unternehmen können es sich schlicht nicht mehr leisten, das Potenzial der Menschen brach liegen zu lassen.» Arbeitgeber, die Menschen mit Migrationshintergrund in ihrer betrieblichen Personalplanung nicht berücksichtigten, verzichteten auf jeden vierten Baden-Württemberger und damit auf viele Fachkräfte. Öney appellierte überdies an Unternehmer mit türkischem Hintergrund, vermehrt junge Migranten auszubilden.

Bestandteile des Netzwerkes für Ausbildung sind gemeinsame Veranstaltungen von Konsulaten und Arbeitsagenturen, Multiplikatoren für eine erste Berufsorientierung in türkischen Vereinen, Einrichtungen und Begegnungsstätten sowie spezielle zweisprachige Broschüren für junge Türken und Türkinnen und ihre Eltern.