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"Miss Germany"-Wahl: Eine hübscher als die andere © dpa
07.02.2011

„Miss Germany“-Kür als Karriere-Chance

RUST. Die 24 Teilnehmerinnen der Wahl zur „Miss Germany 2011“ streifen ihre Bademäntel ab und stellen sich den Fotografen im Badeanzug. Für die Organisatoren ist die Wahl zur schönsten Frau Deutschlands ein jährliches Ritual. Doch seit zwei bis drei Jahren gibt es eine neue Entwicklung. Die meisten Frauen, die mitmachen, haben eine Karriere als Model im Blick. Am Montag stellten sich die jungen Damen im Europa-Park im badischen Rust (Ortenaukreis) erstmals der Presse. Gewählt wird die „Miss Germany 2011“ am gleichen Ort an diesen Samstag (12. Februar/20.00).

Bildergalerie: "Miss Germany"-Wahl: Eine hübscher als die andere

„Früher waren viele Frauen dabei, die aus Spaß und Neugier mitgemacht haben. Heute haben die meisten Teilnehmerinnen eine genau Vorstellung von dem, was sie machen und was sie wollen“, sagt Horst Klemmer. Der 74 Jahre alte frühere Steuerberater aus dem niedersächsischen Oldenburg und Manager des Komikers Heinz Erhardt (1909-1979) organisiert seit mehr als 50 Jahren die jährliche Wahl zur schönsten Frau Deutschlands.

Seit zwei bis drei Jahren erlebt der 1927 gestartete Schönheitswettbewerb einen Ansturm wie nie zuvor. An den deutschlandweit über 200 Vorwahlen beteiligten sich dieses Jahr mehr als 6500 junge Frauen. Das ist die Zahl, die es auch in den beiden Vorjahren gab. In den Jahren zuvor waren es deutlich weniger Bewerberinnen gewesen.

„Der Beruf Model ist heiß begehrt“, sagt Klemmers Sohn Ralf (46), der die Wahl mit seinem Vater auf die Beine stellt. Die Wahl zur „Miss Germany“ profitiere von einem Trend, der sich auch in entsprechenden Shows im Fernsehen zeigt - allen voran die ProSieben-Castingshow „Germany's Next Topmodel“. Ralf Klemmer sagt: „Die Sehnsucht nach dem Rampenlicht war noch nie so stark.“

Die Berliner Studentin Anne Julia Hagen (20) hat den Rummel bereits hinter sich. Sie ist vor einem jahr in Rust zur „Miss Germany 2010“ gekürt worden. Nun muss sie die Krone abgeben.

„Es öffnet sich das Tor zu einer Welt, von dem viele junge Mädchen träumen“, sagt sie über ihre auf ein Jahr beschränkte Tätigkeit als Schönheitskönigin. Nun nimmt sie zwar ihr Studium wieder auf, plant zusätzlich jedoch eine Karriere als Model. Selbstvermarktung sei für viele junge Frauen ihres Alters eine Selbstverständlichkeit, sagt sie. Ebenso die Suche nach Öffentlichkeit.

Hagen passt damit ins Bild: „Die Frauen stolpern nicht blauäugig auf den Laufsteg. Sie wissen genau, was sie tun. Sie haben ihren Wunschberuf fest im Blick“, sagt Ines Kuba-Klemmer. Die 39-Jährige, die 1991 „Miss Germany“ und ein Jahr später „Queen of the World“ wurde, arbeitet heute in der Miss-Wahlen-Organisation. „Die Teilnehmerinnen sind bereit, hart an sich und der Karriere zu arbeiten. Die Bereitschaft, Leistung einzubringen, ist enorm.“

Bei der Misswahl müssen sich die jungen Frauen in Abendkleid und in Bademode präsentieren. Wer gewinnt, entscheidet die Jury: Ihr gehören in diesem Jahr unter anderem der frühere Fußballmanager Reiner Calmund, Schauspielerin Mariella Ahrens und Schönheitschirurg Werner Mang an.