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Erst ein Kindergarten hat die Brandverletzungen eines zweijährigen Kindes ärztlich untersuchen lassen.
Erst ein Kindergarten hat die Brandverletzungen eines zweijährigen Kindes ärztlich untersuchen lassen. © DPA-Archiv
22.06.2010

Misshandlung übersehen? Ermittlungen gegen Sozialamt

KARLSRUHE. Zwei Mitarbeiter des städtischen Sozialamts in Karlsruhe sind im Visier der Staatsanwaltschaft, weil sie ihre Fürsorgepflicht vernachlässigt haben sollen. Die beiden Sozialarbeiter hatten angeblich Hinweise auf Misshandlung eines kleinen Mädchens, reagierten aber nicht angemessen. Ein zwei Jahre altes Kind war mit Brandverletzungen, die ihm die Mutter zugefügt hatte, in den Kindergarten gekommen.

„Es geht darum, nicht genug oder nicht rechtzeitig genug etwas unternommen zu haben“, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht des Südwestrundfunks (SWR). Details zu dem Fall kenne er nicht, sagte der Sprecher. Die Stadt bestätigte die Ermittlungen ebenfalls. „Zu einem schwebenden Verfahren äußern wir uns aber grundsätzlich nicht“, sagte eine Sprecherin. Ob die beiden Betroffenen derzeit weiter arbeiten oder suspendiert sind, wollte sie nicht sagen.

Der SWR hatte berichtet, dass heute drei Jahre alte Kind sei im Sommer 2009 mit Brandverletzungen, die ihm seine Mutter zugefügt habe, in den Kindergarten gekommen. Der daraufhin eingeschaltete Soziale Dienst habe die Eltern aufgefordert, das Kind beim Arzt untersuchen zu lassen. Weitere Schritte gegen die Eltern hätten die Mitarbeiter des Sozialamtes nicht unternommen, berichtete der SWR weiter. Erst als der Kindergarten die Verletzungen ärztlich bestätigen ließ, habe das Sozialamt Anzeige erstattet. Das Kind lebe jetzt in einer Pflegefamilie.