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Kranke Tiere, schlimme Bissverletzungen, Kot und Dreck im Stall: Wegen Missständen in einer Schweinemast bei Ulm müssen viele Tiere sterben. Die Polizei ermittelt. Dabei ist der Betrieb den Behörden schon in der Vergangenheit aufgefallen.
Kranke Tiere, schlimme Bissverletzungen, Kot und Dreck im Stall: Wegen Missständen in einer Schweinemast bei Ulm müssen viele Tiere sterben. Die Polizei ermittelt. Dabei ist der Betrieb den Behörden schon in der Vergangenheit aufgefallen. © dpa
20.10.2016

Missstände in Schweinemast: Tierschützer werfen Behörden Versagen vor

Ulm. Die Aufdeckung elender Zustände in einem Schweinemastbetrieb im Alb-Donau-Kreis hat eine Diskussion über Nutztierhaltung ausgelöst. Dutzende Schweine des Betriebs mussten in den vergangenen Tagen wegen Krankheiten und Verletzungen getötet werden. Nach Angaben von Tierschützern ist das aber kein Einzelfall. «Wir sehen seit Jahren die gleichen Bilder von kranken, leidenden, toten Tieren», kritisierte Andrzej Pazgan, Fachreferent für Tiere in der Agrarindustrie bei der Organisation Peta. Das Landratsamt hingegen betonte, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten würden. Wird der Tierschutz zu wenig kontrolliert?

Bei einem unangemeldeten Besuch in der Schweinemast im nördlichen Alb-Donau-Kreis waren die Kontrolleure vom Landratsamt auf erhebliche Missstände gestoßen. Die Hygiene war mangelhaft, der Stall verkotet, die Abluftschächte verschmutzt, wie vergangene Woche bekannt wurde. Die Buchten, in denen die Tiere gehalten wurden, waren zum Teil deutlich überbelegt. Bereits mehr als 75 Tiere der rund 1200 Mastschweine mussten aufgrund schwerer Verletzungen und Krankheiten notgetötet werden. «Die werden eingeschläfert und kommen zur Tierkörperbeseitigung, nicht in den Handel oder Verzehr», erklärte Behördensprecher Bernd Weltin.

Den Behörden wurde vor der Kontrolle ein Hinweis gegeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen eines Verstoßes gegen den Tierschutz. Dabei war der Betrieb bereits 2014 durch Missstände wie mangelnde Hygiene und Überbelegung aufgefallen. «Aber nicht in dem Maß», sagte Weltin. «Das ist nun schon ein gravierender Fall.»

Das Landratsamt hatte am Mittwoch betont, dass gesetzliche Vorgaben durch das Veterinäramt mit seinen sechs Amtstierärzten eingehalten würden. Im Alb-Donau-Kreis gebe es 3600 Nutztierhaltungen für Schweine oder Rinder. Im vergangenen Jahr seien 191 davon kontrolliert worden. «Die Verpflichtung zur Einhaltung tierschutzrechtlicher Bestimmungen ist zu allererst Aufgabe des Landwirtes selbst», betonte das Amt. Der private Hoftierarzt habe keine Meldung gemacht.

Peta wirft der Politik dennoch Versagen vor. «Jeder Stall muss kontrolliert werden. Wenn solche Zustände ermöglicht werden, ist für uns klar, die Behörden haben versagt.» Die Industrie spreche immer von einzelnen schwarzen Schafen, doch die Problematik liege im System der Massentierhaltung. Jahrelang hätten Betriebe im Verborgenen agiert. Unter dem Titel «Horror Schweinemast schließen! Behördensumpf austrocknen!» wollen Tierschützer am Donnerstagnachmittag um 14.00 Uhr in Ulm demonstrieren und vom Landratsamt zum Münsterplatz ziehen. Die Organisation SOKO Tierschutz hat zu der Aktion aufgerufen.