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Ein unter ASP-Verdacht stehendes Wildschein liegt erlegt im Rahmen einer Tierseuchenübung zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) in einem Waldgebiet im Laub.
Ein unter ASP-Verdacht stehendes Wildschein liegt erlegt im Rahmen einer Tierseuchenübung zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) in einem Waldgebiet im Laub. © Foto: dpa
10.11.2018

Mit Hund und Drohne: Großübung gegen Afrikanische Schweinepest

Warthausen. Ein lautes Bellen schallt durch ein Waldstück im Kreis Biberach. Hündin Nike zerrt Revierleiterin Bernadette Jochum hinter sich her auf eine kleine Lichtung. Zwischen gelbem Herbstlaub liegen zwei massige Wildschweinekörper - regungslos.

Försterin Jochum ruft Nike zu sich, näher soll der junge Wachtelhund den Tieren nicht kommen. Sie hat einen bösen Verdacht. Über ihr Handy setzt sie eine Meldung ab.

Wenig später stoßen Männer in grünen Overalls, Gummistiefeln und mit Handschuhen zu ihr. Sie wuchten ein totes Wildschwein in eine schwarze Box, das andere wird in eine graue Plane eingeschlagen. Zu zweit schleppen sie die je etwa 30 Kilogramm schweren Tiere auf einen Anhänger am Waldrand. Ein Mann im Overall streut Branntkalk auf die Fundstellen - zur Desinfektion. Erst kurz zuvor war in eben jenem Waldstück ein verendetes Wildschwein entdeckt wurden. Todesursache: Afrikanische Schweinepest. Das Bergungsteam muss damit rechnen, dass die Seuche in Baden-Württemberg angekommen ist - zumindest im Übungsszenario. Noch handelt es sich um bloße Fiktion. Doch die Behörden sind gewarnt. Erst im September waren von der Virusinfektion befallene Tiere in Belgien nahe der deutschen Grenze gefunden worden.

Mit der großangelegten Übung wurde nun drei Tage lang der Ernstfall geprobt. Zwischen 200 und 300 Menschen waren beteiligt, eingebundenen waren neben dem Landwirtschaftsministerium unter anderen der Landkreis Biberach, Veterinäruntersuchungsämter, Forstverwaltung und Jagdverband. Deutschlandweit war es nach Angaben des Ministeriums die erste Tierseuchenübung zur Afrikanischen Schweinepest in dieser Größenordnung. Auch Beobachter aus Rheinland-Pfalz, der Schweiz und aus Österreich nahmen daran teil.

Das Risiko ist hoch, wir bereiten uns gezielt auf einen Ausbruch vor», sagte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) am Samstag. Die beiden Tage zuvor war das Auftreten eines Seuchenfalls bereits auf Verwaltungsebene durchgespielt worden. Dabei sollte herausgefunden werden, wie gut die Behörden und Verbände zusammenarbeiten, auch Zuständigkeiten sollten geklärt werden. Am Samstag ging es nun darum, zu demonstrieren, was abseits der Schreibtische passieren muss.

In der Übung hat der Fund eines infizierten Tieres bei Warthausen die Behörden alarmiert. In so einem Fall würde rund um den Fundort in einem Radius von drei Kilometern mit einem Zaun eine Art Sperrgebiet eingerichtet werden.

Bei der Übung kreist eine mit Wärmebildkamera ausgestattete Drohne über dem Gebiet. Das Ergebnis des Erkundungsflugs: keine lebenden Tiere im Umkreis. Hätte sich in dem Gebiet noch eine Rotte aufgehalten, hätte zunächst niemand den Wald betreten dürfen. So aber kann das Gelände systematisch abgesucht werden. Mit dem Vorgehen soll verhindert werden, dass die Tiere aufgescheucht werden und sich der Virus womöglich noch weiter verbreitet. Getötet werden müssten über kurz oder lang jedoch alle Schweine in einem wegen der Afrikanischen Schweinepest eingerichteten Sperrgebiet.

Nachdem der Suchtrupp - angeführt von Hündin Nike - die zwei toten Tiere entdeckt hat, werden diese in die Tierkörperbeseitigungsanstalt in Warthausen gebracht. In einer Halle beugt sich ein Mitarbeiter über eine der Sauen und fährt ihr mit einem Wattestäbchen durch den Mund. Blut tränkt Watte und Handschuhe. Diese Blutprobe geht an das Staatliche Tierärztliche Untersuchungsamt in Aulendorf. Bereits rund 1800 «echte» Proben von erlegtem Fallwild sollen dieses Jahr in Baden-Württemberg eingeschickt worden sein. Bisher waren alle Befunde negativ.

«Die Übung hat gezeigt, wie anspruchsvoll die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ist», sagte Hauk. Mit dem Ablauf der insgesamt dreitägigen Übung ist er zufrieden: «Das hat hervorragend geklappt.»

Doch ein schnelles Eingreifen ist nur eine Maßnahme, um eine mögliche Ausbreitung im Ernstfall zu verhindern: Die Hauptgefahr gehe vom Menschen aus, nicht vom Tier, macht der Minister deutlich. Unter Experten spreche man bereits von der «Wurstbrotseuche». Denn bei der Herstellung von Fleischwaren wie etwa Salami oder Schinken wird der Virus nicht abgetötet.

Werfen beispielsweise Reisende ihr Wurstbrötchen achtlos an Raststätten weg, können sich Wildschweine anstecken, die sich über die Reste hermachen. Für Menschen hingegen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich, selbst wenn sie infizierte Wurst gegessen haben.

«Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland wäre für die Schweinehalter eine Katastrophe«, sagte Hauk. Denn tauchten erst einmal infizierte Wildschweine auf, drohten Handelsbeschränkungen. Ist ein landwirtschaftlicher Betrieb betroffen, müssten dort zudem alle Tiere vorsorglich getötet werden. Die Krankheit zeigt sich bei Wild- und Hausschweinen durch hohes Fieber, die Tiere fressen und bewegen sich kaum noch, manche bekommen Durchfall oder erbrechen sich. In fast jedem Fall verläuft die Krankheit tödlich. In Baden-Württemberg gibt es rund 5200 Betriebe mit Schweinehaltung.

Noch ist die Seuche nicht in Deutschland aufgetreten. Doch verbreitet hat sie sich bereits im Baltikum, in Ostpolen, Tschechien, Bulgarien und Rumänien. Laut Landwirtschaftsministerium zählte man in der EU dieses Jahr bereits rund 5800 Fälle. Eine Impfung existiert nicht.