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Pressekonferenz der Polizei zum Mord an der Joggerin aus Endingen: (von links) Peter Egetemaier, Leiter der Kriminaldirektion Freiburg, Bernhard Rotzinger, Polizeipräsident, Leitender Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission und Leiter der Kriminalkommissariates in Emmendingen und Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes der Landespolizeidirektion Tirol.
Pressekonferenz der Polizei zum Mord an der Joggerin aus Endingen: (von links) Peter Egetemaier, Leiter der Kriminaldirektion Freiburg, Bernhard Rotzinger, Polizeipräsident, Leitender Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission und Leiter der Kriminalkommissariates in Emmendingen und Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes der Landespolizeidirektion Tirol. © dpa
Eine Zeugin hatte den mutmaßlichen Täter am Tag des Mordes in der Nähe des Tatorts gesehen. Daraufhin konnte die Polizei
Eine Zeugin hatte den mutmaßlichen Täter am Tag des Mordes in der Nähe des Tatorts gesehen. Daraufhin konnte die Polizei ein Phantombild erstellen. Foto: Patrick Seeger/Archiv
Kerzen und Gedenkbriefe stehen am 15.11.2016 in Endingen (Baden-Württemberg) auf dem Stadtbrunnen. Nach dem Mord an einer 27-jährigen Joggerin in Endingen bei Freiburg hatte die Polizei die Spurensuche am Fundort der Leiche fortgesetzt.
Kerzen und Gedenkbriefe stehen am 15.11.2016 in Endingen (Baden-Württemberg) auf dem Stadtbrunnen. Nach dem Mord an einer 27-jährigen Joggerin in Endingen bei Freiburg hatte die Polizei die Spurensuche am Fundort der Leiche fortgesetzt. © Patrick Seeger/dpa
02.06.2017

Mit Video: Lkw-Maut-Daten führen zum mutmaßlichen Frauenmörder

Endingen. Spur Nummer 4334 ist der entscheidende Treffer. Sieben Monate lang hat die Freiburger Polizei im Fall einer ermordeten Joggerin akribisch gesucht, nun hat sie den mutmaßlichen Täter gefasst.

Was man bislang von dem Verdächtigen weiß: Er ist ein 40 Jahre alter Rumäne, er wohnt und arbeitet in der Region und er ist von Beruf Lastwagenfahrer. Der Mord an der Joggerin am 6. November 2016 in Endingen soll nicht sein erstes Verbrechen gewesen sein. Der Mann steht im Verdacht, fast drei Jahre davor schon eine Studentin im österreichischen Kufstein missbraucht und umgebracht zu haben.

Die Tat in Endingen hatte in der kleinen Stadt am Kaiserstuhl monatelang Unruhe verbreitet: Die junge Frau war an einem Sonntag allein zum Joggen gegangen, aber nicht mehr zurückgekommen. Ihre Leiche wurde Tage später in einem Wäldchen im Weinberg entdeckt. Vom Mörder fehlte zunächst jede Spur. Für die Ermittler begann mit der Tat eine monatelange, akribische Suche nach Hinweisen.

Die Datenlage sei zunächst denkbar schlecht gewesen, sagt Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission «Erle», die nach dem kleinen Waldstück benannt wurde, in dem die Leiche gefunden wurde.

Zwischen dem Tag der Tat und dem Zeitpunkt des Leichenfundes habe es stark geregnet, dadurch seien viele Spuren vernichtet worden. Trotzdem sei es gelungen, DNA des Täters am Opfer zu sichern.

Und genau diese genetische Spur brachte den ersten entscheidenden Hinweis: Ein Datenabgleich zeigte Übereinstimmungen mit einer Tat in Kufstein. 2014 war dort eine 20 Jahre alte Frau aus Lyon missbraucht und mit einer Eisenstange erschlagen worden.

Ähnlich wie in Endingen habe der Mord an der französischen Austauschstudentin die kleine Stadt mit 18 000 Einwohnern nahe der bayrischen Grenze damals in große Aufregung versetzt, sagt der Leiter des Landeskriminalamts Tirol, Walter Pupp. «Ein ungeheures Unsicherheitsgefühl lastete auf der Bevölkerung.»

Die österreichischen Polizisten stellten den deutschen Kollegen 50 000 Lkw-Maut-Daten zur Verfügung. Das war nach dem DNA-Treffer im Rückblick der zweite entscheidende Schritt für die Ermittler.

Die Beamten hätten zunächst die Lastwagen herausgefiltert, die zur Tatzeit des Mordes in Kufstein waren und sich dort wegen des Fahrverbots am Wochenende auch hätten aufhalten müssen. Zudem habe man ein bestimmtes Fabrikat ausmachen können, dem man die Tatwaffe Eisenstange zuordnen konnte, sagt Kerber. Im nächsten Schritt seien Speditionen angeschrieben worden, die in Frage gekommen seien.

«Konkretisiert hat sich die Spur zu dem jetzt Festgenommenen am Mittwochvormittag», sagt Kerber. Gleich mehrere Indizien sprächen für den Verdacht. Zum einen habe der Mann seinen Wohnsitz und seine Arbeitsstelle in der Region, zudem sei am 6. November sein Handy in der Funkzelle am Tatort eingeloggt gewesen. Und: Er besitze ein silbernes Auto des Fabrikats, nach dem die Beamten zuvor bereits gesucht hatten. Von dem Mann sei eine Speichelprobe genommen worden.

«Und gestern um 13.40 Uhr kam dann die Nachricht: Es handelt sich um den Spurenleger», sagt Kerber. Der 40-Jährige sei festgenommen worden und befinde sich inzwischen in Untersuchungshaft.

In der kleinen Stadt Endingen herrscht am Samstag Erleichterung über die Festnahme. «Sie haben aber lange gebraucht», sagt ein Anwohner. «Ich hätte mir gewünscht, dass es schneller gegangen wäre.» Dennoch sei die Freude groß, sagt ein anderer Passant. «Man hat immer überlegt, ob die Mädchen abends alleine rausgehen können. Es war einfach ein Gefühl der Beklemmung im Ort, solange der Täter nicht gefasst war.»

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