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Lesen aus der Glaskugel und anderer Hokuspokus wurde russlanddeutschen Frauen zum Verhängnis. Sie glaubten zwei Landsfrauen und wurden dabei um hohe Summen Geld betrogen.
Lesen aus der Glaskugel und anderer Hokuspokus wurde russlanddeutschen Frauen zum Verhängnis. Sie glaubten zwei Landsfrauen und wurden dabei um hohe Summen Geld betrogen. © Symbolbild: dpa
13.07.2017

Mit viel Hokuspokus abergläubische Frauen um viel Geld betrogen

Karlsruhe. Es gibt Leute, die glauben, dass die Erde flach oder wahlweise hohl ist, die fest davon ausgehen, dass die Mondlandung ein Hollywood-Fake ist und unter uns Reptiloiden in Menschengestalt leben. Manche glauben sogar, dass englische Fußballteams gegen deutsche Mannschaften im Elfmeterschießen gewinnen können. Alles Hokuspokus. Aber Scharlatanen ist es egal, mit welchem Unfug sie Geld verdienen. Und so werden in jüngster Zeit vor allem Russlanddeutsche zu Opfern von offenbar russischstämmigen Gaunerinnen, die den Aberglauben ihrer Landsleute ausnutzen.

Anfang Juni wurde eine 66 Jahre alte Frau in der Karlsruher Innenstadt von zwei in russischer Sprache auftretenden Betrügerinnen auf ihre schlechte Aura angesprochen, die angeblich auf den zeitnahen Verlust eines Angehörigen hindeutete. Um diesem zu entgehen, veranstalteten die Gaunerinnen mit ihrem Opfer einen regelrechten Hokuspokus aus Gebeten, einem ominösen Insekt und einem in eine Zeitung gewickelten vierstelligen Geldbetrag. Dass die beiden das Geld während der Zeremonie an sich gebracht hatten, stellte die Bestohlene erst fest, als die Frauen längst über alle Berge waren.

Ein ähnlicher, an Kaltschnäuzigkeit kaum noch zu überbietender Fall beschäftigt aktuell den Polizeiposten Oberreut. Eine 62 Jahre alte Bewohnerin des Stadtteils, gleichfalls russischer Herkunft, wurde von dem Duo am Mittwoch gegen 11 Uhr an der Johanna-Kirchner-Straße auf ihre tatsächlich gegebene schwere Erkrankung angesprochen. Anschließend stellten die beiden der Frau eine Heilung für den Fall in Aussicht, dass sie ihren Anweisungen bedingungslos Folge leistet. Neben einer gefüllten Wasserflasche und Gebeten gehörte zu dem sich über einen längeren Zeitraum hinziehenden Heilungsritual, dass die Erkrankte einen Umschlag mit einem fünfstelligen Betrag in einer Stofftasche hinterlegt.

Zwar wurde die Tasche nach der auf offener Straße stattfindenden Zeremonie zurückgegeben. Am Ende enthielt der Geldumschlag allerdings nur noch Zeitungspapier. Ein übersinnliches Ereignis scheint allerdings nicht vorzuliegen. Auch diesmal waren die Täterinnen bei Entdeckung der Tat bereit spurlos verschwunden.

Die Polizei warnt nachdrücklich vor dem Auftreten der etwa 30 bis 35 und 50 bis 60 Jahre alten Frauen und bittet bei ihrem neuerlichen Auftreten um sofortige Nachricht. Beide Täterinnen sind von kräftiger Statur, sprechen perfekt die russische Sprache und gaben sich im ersten Fall als „Tatjana“ und „Maria“ aus.