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Das Möhringer Wappen zeigt einen dunkelhäutigen Menschenkopf.  Foto: Murat 

Mohr-Darstellung im Stadtwappen von Möhringen in der Kritik

Möhringen. Im Zuge der weltweiten Proteste gegen Rassismus haben Tausende Menschen eine Online-Petition unterschrieben, damit das Möhringer Stadtwappen geändert wird. Das Wappen des Stuttgarter Stadtbezirks zeigt neben einer Fahne, fünf Kreisen und einem Rad auch einen schwarzen Kopf mit krausem Haar, großen Kreolen-Ohrringen und dicken, roten Lippen. „Die Bezeichnung ‚Mohr‘ und die groteske Skizzierung des ‚Mohrenkopfs‘ (oftmals als Diener abgebildet) stammt aus der deutschen Kolonialzeit und hat eine klare rassistische Konnotation“, heißt es in der Erklärung zur Petition, die vergangenen Mittwoch gestartet war.

Bis Montagmittag hatten mehr als 5000 Menschen ihren Namen unter die Petition gesetzt, mit der der abgebildete Menschenkopf aus dem Stadtteilwappen entfernt werden soll. Wie eine Sprecherin der Stadt Stuttgart erklärte, hat sich vergangene Woche – noch vor Beginn der Petition – eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich kritisch mit dem Wappen und seiner Entstehung auseinandersetzen soll. „In der aktuellen Situation kann ich den Unmut beziehungsweise das Unverständnis über das Wappen selbstverständlich nachvollziehen“, teilte Bezirksvorsteherin Evelyn Weis mit. „Ich verwehre mich aber dagegen, die Inhalte des Wappens von Möhringen auf eine Stufe mit den menschenverachtenden Vorkommnissen in den USA zu stellen.“

Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizei-Einsatz protestieren weltweit zahlreiche Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Dabei sind auch Diskussionen über die Erinnerungskultur entbrannt. In mehreren Ländern wurden Kolonialdenkmäler beschmiert oder gestürzt.

Vor knapp anderthalb Jahren hat das Mannheimer Kulturzentrum Capitol seine umstrittene „Sarotti-Mohr“-Werbung mit Stoff verhüllt, um damit eine Diskussion über alltäglichen Rassismus anzustoßen. Die Embleme hatten für hitzige Debatten über Alltagsrassismus gesorgt. Den einen war die Kritik an der Darstellung der kleinen schwarzen Kerle mit Pluderhose, Schnabelschuhen und Tablett zu viel der „political correctness“. Andere forderten, das aus ihrer Sicht kolonialrassistische Symbol zu entfernen.