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31.01.2013

Mord als Freitod getarnt

Stuttgart (dpa/lsw) - Im Prozess um einen als Suizid getarnten Mord hat der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Stuttgarter Landgericht auf eine lebenslange Freiheitsstrafe plädiert. Aufgrund vieler Indizien steht für ihn fest, dass der 53-jährige Angeklagte seine Frau Ende Dezember 2011 in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) zunächst gewürgt hat, bis sie ohnmächtig wurde. Dann habe er sie auf den Dachboden geschleift, ihr ein Seil um den Hals gelegt und sie so lange an einem Dachbalken hochgezogen, bis sie erstickte.

Der Anwalt des Angeklagten forderte Freispruch für seinen Mandanten, der anschließend seine Unschuld beteuerte. (Az.: 1 Ks 114 Js 3577/12).

«Ich habe Deine Mutter nicht umgebracht», sagte der Angeklagte zu seiner Tochter, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat. Gegen die Indizien brachte sein Verteidiger Jens Rabe jedoch wenig vor. Laut Staatsanwalt und Nebenklage sind sie «wasserdicht». Sowohl im Bett der Frau, als auch an der Kleidung und auf dem Dachboden fanden sich seltene Fasern von Handschuhen, wie sie sonst nur in Jackentaschen des Angeklagten aufgetaucht seien. Der 53-Jährige habe kein Alibi. Sein Handy war zur entscheidenden Zeit am Tatort eingebucht. Selbstmord wurde nach einer zweiten Obduktion ausgeschlossen.

Staatsanwalt Albrecht Braun sieht niedere Beweggründe wie Eifersucht und Besitzdenken. Die Frau hatte sich Monate nach der Trennung neu verliebt und wollte die Scheidung. Sie sei wehr- und arglos gewesen. Braun beantragte, auf besondere Schwere der Schuld zu erkennen und so eine vorzeitige Haftentlassung zu erschweren. Rabe dagegen machte klar, dass sich weder die niederen Beweggründe noch die Arglosigkeit beweisen lassen. Die 25-jährige Tochter von Opfer und Angeklagtem brach während der Plädoyers mehrfach in Tränen aus. Braun sagte: «Er hat seiner Frau das Leben und der Tochter beide Eltern genommen.»