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Andreas Stenger, Leiter des Kriminaltechnischen Institutes des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, bei der Pressekonferenz zum Fall der vergewaltigten und ermordeten Studentin in Freiburg. Ein 17-jähriger unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan gilt als Tatverdächtiger.
Andreas Stenger, Leiter des Kriminaltechnischen Institutes des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, bei der Pressekonferenz zum Fall der vergewaltigten und ermordeten Studentin in Freiburg. Ein 17-jähriger unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan gilt als Tatverdächtiger. © dpa
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03.12.2016

Mord an Studentin: Polizei beleuchtet Umfeld des tatverdächtigen Afghanen

Nach der Festnahme eines Verdächtigen im Fall der getöteten Studentin in Freiburg untersucht die Polizei das Umfeld des Jugendlichen. Geklärt werden müsse, ob sich der 17-Jährige und sein aus dem Enzkreis stammendes Opfer kannten, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sei noch unklar, ob die Tat geplant oder die Studentin ein Zufallsopfer war. Der minderjährige Verdächtige war am Freitag in Freiburg festgenommen worden, er äußerte sich den Angaben zufolge bislang nicht. Der unbegleitete Flüchtling war laut Staatsanwaltschaft 2015 aus Afghanistan eingereist und bei einer Familie in Freiburg untergebracht.

Die 19-jährige Studentin stammte aus dem Enzkreis, lebte allerdings bereits seit mehreren Jahren mit ihrer Familie in einer europäischen Hauptstadt. Sie war Mitte Oktober am Ufer des Flusses Dreisam vergewaltigt worden, sie starb am Tatort durch Ertrinken. Sie war zuvor an der Freiburger Universität auf einer Studentenparty und nachts mit dem Fahrrad alleine auf dem Weg nach Hause. Laut Polizei ist noch nicht geklärt, ob die Frau ertränkt wurde.

Dem Tatverdächtigen auf die Schliche kamen die Ermittler dank DNA-Spuren am Tatort sowie über die Videoüberwachung in der Straßenbahnlinie 1, in der der 17-Jährige in der Tatnacht fuhr. Zuvor wurde die DNA eines Haares ausgewertet, das in einem Dornengebüsch neben dem Tatort gefunden wurde. Ebenso brachte ein schwarzer Schal, auf dem selbige DNA zu finden war, die Ermittler auf die heiße Spur. Am Körper des Opfers war ebenfalls eindeutige DNA sichergestellt worden.

Die Polizei hatte etwa 1400 Menschen vernommen und rund 1600 Hinweise geprüft, darunter die auf ein herrenloses Fahrrad in der Nähe. Zuletzt hatte ein Suchhund der Polizei Fährte aufgenommen und die Beamten in einen Hörsaal der Universität geführt. Dort saßen in einer Vorlesung im Studiengang Biochemie mehr als 100 Studenten. Deren Personalien nahm die Polizei auf. Fast alle etwa 100 männlichen Studenten erklärten sich den Angaben zufolge zu einer freiwilligen DNA-Erhebung bereit.

Befragt werde nun das Umfeld des Mannes, sagte Chefermittler David Müller. Zudem sei seine Wohnung durchsucht worden, die dort gefundenen Hinweise würden ausgewertet. Geprüft werde auch, ob der 17-Jährige für weitere Taten verantwortlich sei. Konkrete Hinweise darauf gebe es noch nicht. Im Fall der Studentin werde dem 17-Jährigen Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt.

«Die Polizei - in Freiburg selbst, beim Landeskriminalamt, bei den anderen Präsidien, die unterstützt haben - hat eine ganz hervorragende, herausragende Arbeit geleistet», teilte Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit. Sie habe akribisch ermittelt, um zu diesem Ermittlungserfolg zu kommen. «Der mutmaßliche Täter muss sich jetzt - ungeachtet seiner Nationalität, ungeachtet der Frage, seit wann er in Deutschland lebt - vor Gericht und vor dem Gesetz verantworten.»

Weiter ungeklärt bleibe der Mord an einer 27-Jährigen im 30 Kilometer entfernten Endingen drei Wochen nach der Tat in Freiburg. Die junge Frau war alleine zum Joggen aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Sie wurde von einem Unbekannten vergewaltigt und ermordet.

Im Internet löste die Festnahme des Tatverdächtigen in Freiburg Debatten über die Flüchtlingspolitik aus. Freiburgs Oberbürgermeisters Dieter Salomon (Grüne) mahnte zur Besonnenheit und rief dazu auf, «die Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranzuziehen, sondern den Einzelfall zu betrachten».

Weder das Bundesinnenministerium noch das Bundesfamilienministerium wollten sich am Samstag zu dem Fall äußern - mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen.

Zum Artikel: Getötete Studentin aus Freiburg stammt aus dem Enzkreis, lebte aber im Ausland

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