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Der Vizepräsident des Landgerichts Tübingen, Martin Streicher, hat die Höchststrafe für einen 16- und einen 22-Jährigen ausgesprochen. Sie haben im Juni 2013 in Prag einen Taxifahrer mit einem Beil getötet haben.
Der Vizepräsident des Landgerichts Tübingen, Martin Streicher, hat die Höchststrafe für einen 16- und einen 22-Jährigen ausgesprochen. Sie haben im Juni 2013 in Prag einen Taxifahrer mit einem Beil getötet haben. © dpa
28.05.2014

Mord an Taxifahrer: Höchststrafen für zwei junge Männer

Tübingen. Sie waren fasziniert vom Satanismus und erschlugen einen Taxifahrer mit einem Beil - am Mittwoch sind die zwei 17- und 22-jährige Männer aus Rottenburg (Kreis Tübingen) vor dem Landgericht Tübingen für ihre Tat schuldig gesprochen worden. Das Gericht verhängte die höchsten Strafen gegen die Angeklagten.

Es machte deutlich, dass die Angeklagten strafrechtlich voll für ihre Tat verantwortlich sind. Der ältere Angeklagte wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, der jüngere zu zehn Jahren Jugendstrafe, die in einer sozialtherapeutischen Einrichtung vollstreckt werden soll. Der gesamte Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Während es noch in der Anklageschrift hieß, dass die beiden Freunde ein ausgeprägtes Interesse an Satanismus und Vampirismus hatten, sah die Staatsanwaltschaft im Verlauf der Verhandlung keine objektiven Anhaltspunkte dafür, dass die Männer aus satanistischer Mordlust gehandelt haben. Allerdings seien die jungen Männer schon vor dem Mord verhaltensauffällig gewesen und deshalb in unterschiedlichen Wohngruppen untergebracht: der 17-Jährige wegen eines Asperger Autismus und einer Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und dissozialen Zügen. Bei dem Erwachsenen wurde eine schwere schizotypische Störung diagnostiziert.

Bindungen zu anderen Menschen einzugehen bereitete den beiden Männern deshalb große Schwierigkeiten. Als sie sich zufällig kennenlernten, erkannten sie gleiche Interessen und bauten eine enge Beziehung zueinander auf. Verfangen in einer Parallelwelt kam es dem Gericht zufolge zu einer «krisenhaften Zuspitzung»: Beide fassten den Entschluss, aus der Enge der Strukturen auszubrechen und nach Prag zu fahren.

Weil ihnen dort aber rasch das Geld ausging, entschieden sie, den Taxifahrer zu überfallen, wie das Gericht berichtete. Sie ließen sich unter dem Vorwand, im Freien schlafen zu wollen, zu einer entlegenen Stelle außerhalb der Stadt fahren. Dort sei der 17-Jährige kurz nach der Ankunft unvermittelt mit dem Beil auf den Mann losgegangen. Dieser versuchte zu fliehen, wurde aber von dem 22-Jährigen gepackt. Als der Taxifahrer am Boden lag, schlug der Jugendliche so lange auf ihn ein, bis er tot war.

Nach dem Mord versteckten die Männer dem Gericht zufolge die Leiche im Gebüsch, nahmen ihrem Opfer Uhr und Handy ab und fuhren im Taxi davon. Sie verbrachten die Nacht im Auto und entschieden erst am nächsten Morgen, nicht länger in Prag zu bleiben. Kurze Zeit später wurden sie in Deutschland gefasst.

In der Hauptverhandlung machten die Angeklagten dem Gericht zufolge keine Angaben zu ihrer Tat. Lediglich in ihrem letzten Wort hätten beide erklärt, dass es ihnen leidtäte, hieß es.

Die Angeklagten sollen dem Gericht zufolge unter anderem aus Habgier und Heimtücke getötet haben. Die Staatsanwaltschaft sprach sich für die Sicherungsverwahrung der Männer aus. Ob diese tatsächlich angeordnet werde, entscheide sich erst, wenn die Männer ihre Strafen verbüßt hätten, sagte eine Gerichtssprecherin. Die Sicherungsverwahrung soll die Allgemeinheit vor Tätern schützen, die auch nach dem Strafvollzug als gefährlich gelten.