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Der 74-jährige Angeklagte.
Der 74-jährige Angeklagte. © dpa
21.07.2017

Mord nach über 51 Jahren Ehe - 74-Jähriger lebenslang in Haft

Stuttgart (dpa/lsw) - Warum der 74-Jährige im Januar seine schlafende Frau erschoss, ist bis zum Schluss offen geblieben.

Er sei wohl ihrer ewigen Anwürfe und Beschuldigungen überdrüssig gewesen, mutmaßte das Stuttgarter Landgericht am Freitag bei der Verkündung des Urteils. Der Angeklagte selbst hatte sich dazu während des Prozesses nicht geäußert. Irgendwelche mildernden Umstände sah das Gericht nicht. Und auf Mord stehe nun mal lebenslänglich - «daran ändert auch das Alter des Angeklagten nichts», sagte die Vorsitzende Richterin.

Heimtückisch habe der 74-Jährige seine Frau ermordet, urteilte das Gericht. Am Morgen des 4. Januar habe er mit einem Revolver vier Mal auf den Kopf der noch im Bett liegenden Frau geschossen. Nach dem ersten sei sie aufgewacht, mit den drei weiteren dann bewusstlos geworden. Sie erlag ihren schweren Kopfverletzungen zwei Tage später in einer Klinik. Der Mann hatte vor der Tat noch einen Abschiedsbrief geschrieben, er wollte sich selbst auch das Leben nehmen. Diesen Plan gab er aber auf, alarmierte die Polizei und ließ sich festnehmen.

Zeugen hatten berichtet, dass sich das Paar in den letzten Jahren immer wieder gestritten hat. Im November habe sie angekündigt, in der Ehe unglücklich zu sein und nach Bayern zu ziehen. Weihnachten und in den Tagen danach sei die Streit dann erneut eskaliert, berichtete die Richterin. Man könne weder von einer Kurzschlusshandlung ausgehen, noch habe der 74-Jährige in einer besonderen Notlage gestanden, als er seine geplante Tat ausführte. Psychische Erkrankungen lagen nach Ansicht des Gerichts ebenfalls nicht vor.