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Blumen und Kerzen standen im Oktober in Freiburg vor einem Baum an der Dreisam. Dort wurde am 16.10.2016 die getötete Studentin aufgefunden.
Blumen und Kerzen standen im Oktober in Freiburg vor einem Baum an der Dreisam. Dort wurde am 16.10.2016 die getötete Studentin aufgefunden. © dpa
28.12.2016

Mordfall Freiburg - Polizei rechnet mit monatelangen Ermittlungen

Freiburg (dpa/lsw) - Im Fall des Sexualmords von Freiburg hofft die Polizei auf ein Einlenken des mutmaßlichen Mörders. Der sieben Wochen nach der Tat festgenommene Flüchtling Hussein K. solle sein Schweigen brechen und zur Aufklärung des Mordfalls beitragen, sagte der Chef der Freiburger Kriminalpolizei, Peter Egetemaier, der Deutschen Presse-Agentur. Das Motiv und der Tatablauf seien noch immer unklar. Mögliche Augenzeugen hätten sich nicht gemeldet. Die Polizei rechne daher mit weiteren, monatelangen Ermittlungen.

Hussein K. wird vorgeworfen, Mitte Oktober eine 19 Jahre alte Studentin, die ursprünglich aus dem Enzkreis stammte, vergewaltigt und ermordet zu haben. Er war Anfang Dezember festgenommen worden und sitzt seither in Haft. Zu den Vorwürfen schweigt er. DNA-Spuren von ihm hatte die Polizei am Tatort gefunden.

«Ich hoffe, dass er sich doch noch dazu durchringt, mit uns zu sprechen», sagte der Kripo-Chef: «Es wäre eine Entlastung für die Eltern der Getöteten.» Der Verdächtige, der einen Anwalt hat, könne helfen. «Den Eltern Gewissheit geben. Das wäre wichtig, um dieses schreckliche Verbrechen verarbeiten zu können», sagte Egetemaier. Offen ist laut dem Beamten, ob Hussein K. das Opfer kannte.

Hussein K. war den Angaben zufolge im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen. Er stand als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in der Obhut des Jugendamtes und lebte in Freiburg bei einer Pflegefamilie. Wegen einer anderen Gewalttat an einer jungen Frau 2013 war er in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Kurze Zeit später tauchte er unter und kam nach Deutschland.

Deutsche Behörden wussten nichts von dieser kriminellen Vorgeschichte. Griechische Behörden hatten den Angaben zufolge nur national nach dem Gesuchten gefahndet, einen internationalen Haftbefehl oder einen Eintrag in internationale Datenbanken durch Griechenland gab es nicht.

Der Fall hat eine Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik ausgelöst und für Missstimmung zwischen Deutschland und Griechenland gesorgt. Alter und Herkunft des Verdächtigen sind den Angaben zufolge weiter unklar. Hussein K. hatte bei seiner Einreise nach Deutschland angegeben, er stamme aus Afghanistan und sei 16 Jahre alt. Doch daran gibt es Zweifel. Ein Altersgutachten soll nun Klarheit bringen.

In Griechenland hatte Hussein K. andere Altersangaben gemacht als in Deutschland. Das Alter ist wichtig für die Frage, ob er für die Tat in Freiburg nach Jugend- oder Erwachsenstrafrecht angeklagt wird.

Weiter ungeklärt ist der Mordfall in Endingen bei Freiburg. Dort war drei Wochen nach der Tat in Freiburg eine 27 Jahre alte Joggerin vergewaltigt und ermordet worden. Konkrete Hinweise, dass Hussein K. auch in Endingen der Täter ist, gibt es laut Polizei nicht.

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