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Eine Frau aus Karlsruhe verschwindet spurlos. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie tot ist, und klagt den Ehemann wegen Mordes an. In einem reinen Indizienprozess muss ein Gericht jetzt prüfen, was an den Vorwürfen dran ist.
Eine Frau aus Karlsruhe verschwindet spurlos. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie tot ist, und klagt den Ehemann wegen Mordes an. In einem reinen Indizienprozess muss ein Gericht jetzt prüfen, was an den Vorwürfen dran ist. © dpa
09.01.2016

Mordprozess ohne Leiche gegen Mann in Karlsruhe

Karlsruhe. Vor dem Landgericht Karlsruhe beginnt am Dienstag ein ungewöhnlicher Mordprozess: Es gibt keine Leiche. Angeklagt ist der 45 Jahre alte Ehemann einer seit Ende Juli 2014 vermissten Frau. Die damals 34 Jahre alte zweifache Mutter und Betreiberin eines Nagelstudios war nach dem Verlassen ihrer Wohnung nicht mehr gesehen worden. Ihr Mann war schnell ins Visier der Ermittler geraten und saß vorübergehend in Untersuchungshaft. Die Leiche wurde trotz intensiver Suche nicht gefunden.

Weil die Beweise damals für eine Anklage nicht ausreichten, kam der Mann Ende September 2014 wieder frei. Wegen neuer belastender Umstände erhob die Staatsanwaltschaft im September 2015 doch noch Anklage. Der Verdächtige wurde wieder festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Zunächst sind 15 Verhandlungstage bis zum 18. März vorgesehen.

Ein Mordprozess ohne Leiche als reiner Indizienprozess ist eine Ausnahme. Der Erste Staatsanwalt Tobias Wagner sagte, in seinem Haus könne sich niemand an einen vergleichbaren Fall in Karlsruhe erinnern. Zunächst müsse nachgewiesen werden, dass die Frau tatsächlich tot ist. Außerdem müsse herausgefunden werden, wie sie getötet wurde, um ein Mordmerkmal nachweisen zu können. «Es gibt eine Vielzahl von Indizien, die sich zu einem Bild zusammensetzen», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bisher habe seine Behörde nur einen hinreichenden Tatverdacht. Ein abschließendes Bild entstehe erst am Ende der Beweisaufnahme.