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Eine mutmaßliche Betrügerbande steht wegen Telefon-Abzocke vor Gericht.
Eine mutmaßliche Betrügerbande steht wegen Telefon-Abzocke vor Gericht. © Symbolbild: dpa
09.08.2011

Mutmaßliche Betrüger wegen Telefon-Abzocke vor Gericht

Mannheim (dpa/lsw) - Vor dem Landgericht Mannheim hat am Dienstag ein Großprozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder der Gewinnspiel-Mafia begonnen. Ihre Masche: Mit Gewinnspielversprechen sollen sie vor allem ältere Menschen auf überteuerte Telefon-Hotlines gelockt haben - den Opfern entstand laut Anklage ein Gesamtschaden von rund 3,7 Millionen Euro.

Zwei der vier Hauptangeklagten - zwei Männer aus der Ortenau - wurden nach einer Großrazzia im Herbst 2010 auf Mallorca festgenommen. Von dort aus soll die Betrügerbande ihre kriminellen Geschäfte geführt und das Leben genossen haben. Zudem habe es «Firmensitze» in Bratislava (Slowakei) und Erfurt gegeben.

Den vier Hauptangeklagten - darunter eine Frau - wird vorgeworfen, zwischen 2008 und 2010 an insgesamt fast drei Millionen Adressaten Standardbriefe versandt und Gewinne in Aussicht gestellt zu haben. Zur angeblichen Gewinnausschüttung mussten sich die «Gewinner» unter 0900-Nummern melden. Sie landeten dann zu Minutenpreisen von 2,99 Euro in langen Warteschleifen - freilich ohne jemals einen Cent zu sehen. 180 000 Menschen hatten dem betrügerischen Schreiben geglaubt und angerufen. Zwei Männer sind als Mittäter angeklagt und zwei weitere wegen Beihilfe: Letztere sollen unter anderem die grafische Gestaltung der Gewinnbriefe und Prämienflyer übernommen haben.

Die Anklageschrift in dem aufwendigen Verfahren umfasst mehr als 1000 Seiten. Vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer in Mannheim sind noch 36 Verhandlungstage angesetzt. Für eine Verurteilung wegen Betruges drohen bis zu fünf Jahre Haft. Erkennt das Gericht auf Betrugs im besonders schweren Fall: bis zu 15 Jahre.