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27.11.2015

NSU-Ausschuss: Das Rätsel um V-Mann Corelli

Stuttgart. Die Aufklärungsarbeit des NSU-Ausschusses zum V-Mann Corelli und dessen Kontakten zur rechtsextremen Szene im Südwesten gestaltet sich schwierig. Das Gremium will mehr über den Verbindungsmann des Bundesamtes für Verfassungsschutzes mit dem schillernden Decknamen erfahren. Doch das parlamentarische Bundestags-Kontrollgremium für die Geheimdienste will den geheimen Bericht seines Sonderermittlers Jerzy Montag nicht nach Stuttgart geben. Vor dem NSU-Ausschuss sagte Montag am Freitag aus – hatte aber nur eine stark eingeschränkte Redeerlaubnis.

Ausschusschef Wolfgang Drexler (SPD) kritisierte, für ihn sei das nicht nachvollziehbar. Corelli war Mitglied im Ku-Klux-Klan (KKK) im Raum Schwäbisch Hall. Es besteht die Frage, warum das Bundesamt seine Topquelle in den rassistischen Geheimbund einschleuste, obwohl das Landesamt für Verfassungsschutz dem Klan zunächst keine große Bedeutung beimaß. Montag - früher grüner Bundestagsabgeordneter - sagte, Anfang der 1990er Jahre sei in Brandenburg ein Ausländer fast zu Tode gehetzt worden. Dabei seien Parolen des KKK gerufen worden. Vor dem Hintergrund habe der Bundesverfassungsschutz den KKK in Schwäbisch Hall als „potenziell gefährlich“ eingestuft.

Corelli ist deshalb für den Ausschuss interessant, weil der KKK in Verbindung zum Polizistenmord von Heilbronn steht, bei dem Kollegen der 2007 erschossenen Polizistin Michèle Kiesewetter angeheuert hatten. Der V-Mann soll von fünf bis sechs Polizisten mit Interesse am KKK berichtet haben – das wären mehr als offiziell eingeräumt wird. Corelli spionierte seit Anfang der 1990er-Jahre in der rechtsextremen Szene für die Geheimdienste. Er starb 2014 im Alter von 39 Jahren in einer Wohnung im nordrhein-westfälischen Paderborn – an einem Zuckerschock infolge einer nicht behandelten Diabetes.