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09.03.2015

NSU-Ausschuss befragt Polizisten zum Tod von Florian H.

Stuttgart. Der Untersuchungsausschuss des Landtags zum rechtsextremen Netzwerk NSU beschäftigt sich an diesem Montag weiter mit der ominösen Selbstverbrennung von Florian H. auf dem Stuttgarter Wasen. Nachdem das Gremium die Angehörigen befragt hat, stehen nun die Ermittler den Abgeordneten Rede und Antwort.

Die Familie von Florian H. und der Berliner Rechtsextremismus-Professor Hajo Funke gehen davon aus, dass der 21-Jährige möglicherweise in den Tod getrieben oder sogar ermordet wurde, da er unter erheblichem Druck der Ermittler und der rechten Szene gestanden habe.

Der Tod von Florian H. beschäftigt den Landtagsausschuss zur rechtsextremen Terrorzelle NSU, weil der 21-Jährige gewusst haben soll, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn erschossen hat. Am Tag seines Todes sollte er noch einmal von den Beamten befragt werden. Den Terroristen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» werden zehn Morde von 2000 bis 2007 zugerechnet - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an Kiesewetter.

In einem Schreiben an den Landtags-Untersuchungsausschuss bekräftigt das Innenministerium das offizielle Ermittlungsergebnis, wonach es sich um einen Suizid handelte. Die Faktenlage lasse keine andere Schlussfolgerung zu, als dass sich Florian H. durch Verbrennen selbst getötet habe. Weitere Maßnahmen im Todesermittlungsverfahren seien deshalb abgelehnt worden. Mehrere Zeugen hätten Florians Fahrzeug am späteren Brandort bemerkt. Dabei sei immer nur eine Person am Wagen gesehen worden. Vor seinem Tod am 16. September habe Florian H. diverse Medikamente und Rauschmittel zu sich genommen.

Am vergangenen Montag hatten die Eltern vor dem Ausschuss ausgesagt und den Ermittlern schlampige Arbeit vorgeworfen. Die Beamten seien von Anfang an von einem Suizid ausgegangen und hätten die These nie infrage gestellt, sagte der Vater. Die Polizei vermutet einen Suizid unter anderem aus Liebeskummer. Die Familie hält das für abwegig.

Nach einem Bericht der «Südwest Presse» (Samstag) hatte ein Beamter, der mit dem Fall befasst war, früher Kontakte zum rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan. In einem Bericht der Tageszeitung «junge Welt» (Montag) heißt es, ein Fahrlehrer habe sich der Polizei in Stuttgart als Zeuge angeboten, weil er am Auto des Florian H., das später in Flammen aufging, einen zweiten Mann gesehen habe. Durch diese Aussage gebe es laut dem Bericht erhebliche Zweifel am offiziellen Ermittlungsergebnis der Polizei.