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Der Politikwissenschaftler Hans Joachim Funke (l) sitzt am 17.07.2015 im baden-württembergischen Landtag in Stuttgart (Baden-Württemberg) neben seinem Anwalt vor dem NSU-Untersuchungsausschuss. Er soll über den Verbleib mehrer Geräte von Florian H. Auskunft geben. Dieser war im September 2013 in seinem Auto in Stuttgart verbrannt. Seine Familie hatte die Geräte im ausgebrannten Fahrzeug gefunden und soll diese an Funke übergeben haben. Foto: Wolfram Kastl/dpa
Der Politikwissenschaftler Hans Joachim Funke (l) sitzt am 17.07.2015 im baden-württembergischen Landtag in Stuttgart (Baden-Württemberg) neben seinem Anwalt vor dem NSU-Untersuchungsausschuss. Er soll über den Verbleib mehrer Geräte von Florian H. Auskunft geben. Dieser war im September 2013 in seinem Auto in Stuttgart verbrannt. Seine Familie hatte die Geräte im ausgebrannten Fahrzeug gefunden und soll diese an Funke übergeben haben. Foto: Wolfram Kastl/dpa © dpa
17.07.2015

NSU-Ausschuss erwägt Beschlagnahme von Beweismitteln zu Florian H.

Stuttgart. Ungewohnte Situation für den Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke: Der Extremismusexperte hat am Freitag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags als Zeuge ausgesagt. Dabei ging es um den Verbleib von Beweisstücken im Fall des toten Ex-Neonazis Florian H. Nach Funkes Angaben handelt es sich um insgesamt vier Gegenstände, die im ausgebrannten Wagen von Florian H. lagen: einen Camcorder, einen Laptop, ein Handy und - das ist neu - eine externe Festplatte.

Die Familie von Florian H. hatte die Gegenstände zur Untersuchung an Funke gegeben, da sie in die Polizei kein Vertrauen mehr hatte. Dieser gab sie nach eigenen Angaben an Auslesungsspezialisten weiter. Während Camcorder und Laptop sich wieder im Besitz der Familie H. befinden, sind Handy und externe Festplatte nach Funkes Angabe noch bei Spezialisten.

Ausschusschef Wolfgang Drexler (SPD) pocht auf eine Übergabe der Gegenstände an das Gremium. Insbesondere von dem Handy verspricht sich der Ausschuss Erkenntnisse darüber, mit wem Florian H. in seinen letzten Lebensstunden kommunizierte. Die Übergabe von Camcorder und Laptop durch die Familie zieht sich aber hin. Und wo sich Handy und Festplatte derzeit befinden, konnte Funke nicht sagen. Namen wollte er am Freitag nicht preisgeben. Er beteuerte aber, er habe mit Nachdruck versucht, die Geräte zeitig auszulesen und zurückbekommen. Der Ausschuss solle sich an die Familie H. wenden - er selbst habe sich aus dem Thema zurückgezogen, weil er geahnt habe, dass er in eine Konfliktsituation mit dem Ausschuss geraten könne.

Drexler hat angekündigt, die Geräte notfalls beschlagnahmen zu wollen. Florian H. war im September 2013 in einem Auto verbrannt. Nach bisherigem Stand der Dinge tötete er sich selbst.