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Bildung in der Krise? Nach den schlechten Noten für Baden-Württemberg bei der Schülervergleichsstudie holt sich das Kabinett Rat von Experten. Sie sollen helfen, Reformen auf den Weg zu bringen.
Bildung in der Krise? Nach den schlechten Noten für Baden-Württemberg bei der Schülervergleichsstudie holt sich das Kabinett Rat von Experten. Sie sollen helfen, Reformen auf den Weg zu bringen. © dpa
05.01.2017

Nach Absturz in Schulstudie holt sich Kabinett Rat von Experten

Stuttgart (dpa/lsw) - Nach dem Absturz Baden-Württembergs in der jüngsten Schulstudie berät das Kabinett mit Experten über die Folgen für das Bildungssystem. Am Montagabend kommt die Regierung in einer Sondersitzung zusammen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen erfuhr. Zuvor hatten «Südwest Presse» und «Badische Zeitung» berichtet. In der Kabinettsrunde im Staatsministerium werden unter anderem der Tübinger Bildungsforscher Ulrich Trautwein und der Heidelberger Erziehungswissenschaftler Albrecht Wacker erwartet. Fachleute schlagen vor, die Lehrerausbildung zu verbessern und ein Lesetrainingsprogramm einzuführen, wie aus Empfehlungen hervorgeht, die die CDU-Landtagsfraktion bei Experten einholte.

Laut der Studie des Instituts für Qualität im Bildungswesen (IQB) sackte der einstige Primus Baden-Württemberg im Ländervergleich auf hintere Ränge ab: Von Platz 2 im Fach Deutsch beim Zuhören rutschten die Neuntklässler im Land auf Platz 14, beim Lesen von Platz 3 auf Platz 13 und bei der Orthografie vom zweiten auf den zehnten Rang. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte im November angekündigt, dass Experten das Schulsystem auf Defizite durchleuchten sollen. Damals hatte der Bildungsforscher Trautwein gesagt: «Frühere Schulvergleiche haben gezeigt, dass Baden-Württemberg schon seit Jahren stagniert, während sich andere Bundesländer weiterentwickelten.»

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch, der frühere Kultusminister, sagte: «Es rächt sich, dass sich die CDU jahrelang allen Reformen verweigert hat. Umso unverständlicher, dass sie nun so tut, als hätten die Schulen im Land nur auf die CDU gewartet.» Stoch machte noch einmal den Vorschlag, eine Bildungsenquetekommission einzusetzen, um weitere Veränderungen in der Bildungslandschaft zu diskutieren. «Eine Kabinettssitzung im stillen Kämmerlein ist mit Sicherheit kein adäquater Rahmen, um über die Zukunft der Bildung zu reden», kritisierte er.

In Empfehlungen der Bildungswissenschaftler heißt es jetzt auch, die «Beliebigkeit im Schulsytem» solle deutlich zurückgeführt werden, es müsse klare Vorgaben geben. Zudem zielen die geforderten Neuerungen auch auf die Qualifizierung von Schulleitern. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart sagte: «Es gilt, möglichst rasch die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und umzusetzen.»

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte kürzlich mit einem Brief an alle Grundschulen Streit ausgelöst. Sie forderte darin eine Kurskorrektur: Methoden, bei denen Kinder lange Zeit nicht auf die richtige Rechtschreibung achten müssten - etwa das Schreiben nach Gehör - sollen demnach nicht mehr praktiziert werden.