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Bahnreisende müssen sich nach dem Intercity-Unfall in Stuttgart weiter gedulden, viele Züge laufen immer noch nicht planmäßig. Der Bahnunfall hat eine Diskussion über mögliche Sicherheitsrisiken infolge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 ausgelöst.
Bahnreisende müssen sich nach dem Intercity-Unfall in Stuttgart weiter gedulden, viele Züge laufen immer noch nicht planmäßig. Der Bahnunfall hat eine Diskussion über mögliche Sicherheitsrisiken infolge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 ausgelöst. © dpa
10.10.2012

Nach Bahnunfall bleiben Gleise noch Wochen gesperrt

Stuttgart. Zehn Wochen, drei Züge: Nach dem dritten Bahnunfall an derselben Stelle in Stuttgart bleiben die Signale für zwei Gleise wohl für Wochen auf Rot. Die Bahn arbeitet an einem Plan B.

Nach dem Entgleisen eines Testzugs vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof ziehen Eisenbahnbundesamt und Bahn deutliche Konsequenzen und legen die Gleise 9 und 10 bis auf weiteres lahm. Sie bleiben nach Auskunft der Bahn gesperrt, bis geklärt ist, warum am Dienstag bereits der dritte Intercity innerhalb von zehn Wochen an derselben Stelle aus den Gleisen sprang. «Da reden wir von Wochen», sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch in Stuttgart. Noch gebe es keine «festen Hinweise» auf die Ursache. Vor der verunglückten Testfahrt am Dienstag war noch geplant, alle Gleise wieder für den Zugverkehr freizugeben.

Die Bahn sperrte 3 von 16 Gleisen im Hauptbahnhof nach dem Zwischenfall. Zwei Linien des Fernverkehrs von Süden nach Norden wird laut Mitteilung bis auf weiteres um Stuttgart herumgeleitet, mit Stopps in Esslingen und Vaihingen an der Enz. Die Züge in Gegenrichtung fahren den Hauptbahnhof an. Im Regionalverkehr enden mehrere Linien in Kornwestheim oder Bietigheim-Bissingen.

Gerade im Feierabendverkehr sei es zu zahlreichen Verspätungen gekommen, sagte ein Bahnsprecher am Abend. Züge im Fernverkehr seien im Schnitt 15 Minuten später gewesen; im Regionalverkehr seien es fünf bis zehn Minuten gewesen. Zudem sei an mehreren Bahnhöfen zusätzliches Personal im Einsatz gewesen. «Es ist schon ein spürbarer Bedarf wegen der Nachfragen da», erklärte der Sprecher.

Man arbeite an einem Betriebsprogramm, mit dem die Zeit möglichst störungsfrei überbrückt werden könne, machte der Sprecher deutlich. Auf jeden Fall müssten Zugreisende noch bis Ende der Woche mit größeren Behinderungen und Verspätungen rechnen. Am Mittwoch blieben noch drei Gleise gesperrt. Der Unfallzug war laut Bahn in der Nacht wieder in die Spur gebracht und weggefahren worden. Wie lange die Reparatur der Weiche und der Gleise dauere, sei nicht klar.

Mit der Versuchsfahrt am Dienstag wollte die Bahn nach eigenen Angaben die Fahrten nachvollziehen, bei denen Ende Juli und Ende September jeweils ein Zug entgleiste. Eigentlich hätten an dem Tag die Gleise wieder freigegeben werden sollen, die nach dem Unfall von September gesperrt worden waren. Das hatte die Bahn bereits am Montag angekündigt. Der Sprecher räumte ein, dass sich die Testfahrt verzögert hatte.

Bis auf weiteres werden zwei Linien des Fernverkehrs von Süden nach Norden um Stuttgart herumgeleitet, mit Halt in Esslingen und Vaihingen an der Enz. Die Züge in Gegenrichtung fahren den Hauptbahnhof an. Im Regionalverkehr enden mehrere Linien in Kornwestheim oder Bietigheim-Bissingen. Laut Sprecher muss im Berufsverkehr weiter mit Verspätungen gerechnet werden. Zusätzliche S-Bahnen werden nicht eingesetzt. Allerdings seien zehn zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz, um Reisenden bei Fragen zu helfen.

Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart ist der Unfall vom Dienstag registriert: «Wir haben den Vorfall im Blick», sagte eine Sprecherin. Zwar könne er keine Straftat sein, weil mit der Testfahrt nicht gefährlich in den Bahnverkehr eingegriffen wurde. Doch werde das Geschehen sicher in die Ermittlungen zu den anderen Unfällen mit einfließen.

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