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Der Großbrand in Ludwigshafen ist gelöscht, nur noch nach einzelnen Glutnestern müssen die Feuerwehrleute suchen. Erstaunlich: Die Umweltbelastung soll nur gering ausgefallen sein. © dpa
24.06.2013

Nach Großbrand werden Lebensmittel untersucht

Nach dem Großbrand einer Lagerhalle in Ludwigshafen gehen heute die Untersuchungen zur Brandursache sowie Vorsichtsmaßnahmen zum Gesundheitsschutz weiter. Die Verbraucherschutz-Ministerien aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben angekündigt, auf den Äckern, im Einzelhandel und in Großmärkten Lebensmittelproben zu nehmen. Aus der riesigen Rauchwolke waren Rußflocken auf die Landschaft gerieselt.

Bildergalerie: Isolierstoffe brennen: Rauchwolke über Ludwigshafen

Es gebe aber keinen Anlass für Verkaufs- oder Verzehrverbote, hatten die Behörden am Sonntag mitgeteilt. Sie riefen Bürger, Händler und Landwirte gleichwohl auf, Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich zu waschen.

Bei dem Feuer auf der Parkinsel im Rhein waren ab Samstagmittag große schwarze Qualmwolken freigesetzt worden, die weithin sichtbar über den Rhein Richtung Mannheim, Baden und Südhessen zogen. Zeitweise wurden Wohngebäude mit 220 Menschen evakuiert. Schadstoffmessungen der Feuerwehren hatten zunächst ergeben, dass der in erster Linie nach Osten abziehende Qualm nicht giftig sei. Gebrannt hatte unter anderem Styroporgranulat, das eine für die BASF tätige Firma eingelagert hatte. Zwei Feuerwehrleute waren bei den Löscharbeiten verletzt worden.

Am Mittag wollen der Ludwigshafener Umweltdezernent Klaus Dillinger und der Feuerwehrchef Peter Friedrich über die laufenden Arbeiten berichten. Die Brandursache war am Sonntag unklar geblieben, auch weil die Ermittler das Gelände zunächst gar nicht betreten konnten. Dass eine Photovoltaik-Anlage das Feuer verursacht habe, sei Spekulation, sagte der Feuerwehrchef.

Mit einem Großaufgebot hatte die Feuerwehr den verheerenden Brand unter Kontrolle gebracht. Mit dabei waren auch zwei Fahrzeuge nebst Einsatzkräften der Feuerwehr Pforzheim: Einsatzleiter vom Dienst Reinhold Jainta mit dem Vorauswagen und das Pforzheimer Spezialeinsatzfahrzeug, der Abrollwagen Schaum, eine Art Tanklastwagen mit 10.000 Liter Löschschaum.

Um 17.20 Uhr haben die zwei Fahrzeuge am Samstag die Hauptfeuerwache Pforzheim verlassen, gegen 22 Uhr kamen beide wieder in die Goldstadt zurück. Sie brachten 10.000 Liter Löschschaum, die in Pforzheim stationierte Landesreserve, zur Mannheimer Feuerwache, um im Notfall einen großen Schaumteppich an besonderen Brandstellen legen zu können. Der bisherige Einsatz mit Wasser aber war so erfolgreich gewesen, dass die Feuerwehren auf den Einsatz des in großen Mengen umweltbedenklichen Löschschaums verzichtet haben. Mehr als 140 Einsatzkräfte bekämpften den Großbrand.

Das Feuer war nach Angaben der Einsatzkräfte am Samstagmittag in einer rund 9500 Quadratmeter Lagerhalle eines Logistik-Unternehmens auf der Parkinsel am Rhein ausgebrochen. Die Firma arbeitet unter anderem für den Chemie-Konzern BASF. Zum Zeitpunkt des Brandes waren dort nach Angaben der BASF etwa 4800 Tonnen Material gelagert, größtenteils Styropor-Granulat.

Bekämpft wurde der Brand von der Land- und der Wasserseite. Im Einsatz waren die Feuerwehren Ludwigshafen und Mannheim sowie die BASF-Werksfeuerwehr. Auch ein Löschboot aus Mannheim war mit dabei.

Auf dem Festival des deutschen Films in der Nähe wurde das Programm unterbrochen. Als Grund nannte die Stadt, dass sich der Rauch auch in Bodennähe ausbreitete. Zudem sei Sirenenalarm ausgelöst worden. Sogar in Südhessen sollten Menschen Fenster und Türen schließen. Betroffen waren neben den Großstädten Ludwigshafen und Mannheim nach Angaben der Polizei in Darmstadt die Städte Viernheim, Heppenheim, Birkenau und das rund 40 Kilometer von Ludwigshafen entfernte Wald-Michelbach.

«Es sieht aus wie beim Weltuntergang», sagte ein Augenzeuge in Ludwigshafen. Er war zu Besuch beim Festival des deutschen Films, dessen Gelände rund einen Kilometer von dem Brand entfernt liegt. Vorsorglich wurde das Programm für mehrere Stunden wegen der starken Rauchentwicklung unterbrochen, wie ein Sprecher des Festivals sagte.