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Axel Mögelin (l), der letzte Leiter der mittlerweile aufgelösten Polizei-Sonderkommission "Parklatz" erklärt Wolfgang Drexler (r, SPD), dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses «Rechtsterrorismus/NSU BW» des Landtags von Baden-Württemberg, am 04.05.2015 in Heilbronn (Baden-Württemberg) am Rande des Geländes Theresienwiese - dem Tatort an dem eine Polizistin getötet und ein Polizist schwer verletzt wurde, den Tatablauf.
Axel Mögelin (l), der letzte Leiter der mittlerweile aufgelösten Polizei-Sonderkommission "Parklatz" erklärt Wolfgang Drexler (r, SPD), dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses «Rechtsterrorismus/NSU BW» des Landtags von Baden-Württemberg, am 04.05.2015 in Heilbronn (Baden-Württemberg) am Rande des Geländes Theresienwiese - dem Tatort an dem eine Polizistin getötet und ein Polizist schwer verletzt wurde, den Tatablauf. © dpa
04.05.2015

Nach Kiesewetter-Mord besucht NSU-Ausschuss Tatort Theresienwiese

Heilbronn. Acht Jahre nach dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter hat der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags den Tatort des rätselhaften Verbrechens aufgesucht. Die Abgeordneten ließen sich am Montag in Heilbronn die Ereignisse vom 25. April 2007 auf der Theresienwiese - einem großen Festplatz - erläutern. Zunächst erinnerte der Ausschuss mit einer Schweigeminute an die zehn Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Wolfgang Drexler (SPD), versprach, der Landtag werde alles tun, um das Geschehen aufzuklären und gegebenenfalls auch die Arbeitsbedingungen bei Polizei und Justiz zu verbessern, damit sich ähnliche Taten nicht wiederholten.

Die Parlamentarier ließen sich von einem früheren Leiter der Sonderkommission (Soko) Parkplatz erläutern, wo zum Tatzeitpunkt der Streifenwagen mit Kiesewetter und ihrem Kollegen stand und wo sich diverse Zeugen aufhielten. Ausschuss-Chef Drexler sagte im Anschluss, er sei überrascht, dass die Täter diesen Ort gewählt hätten, obwohl das Polizeifahrzeug gar nicht so verdeckt gestanden habe.

Der Ausschuss untersucht die Bezüge des NSU nach Baden-Württemberg und mögliches Behördenversagen im Südwesten. Den Rechtsterroristen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) werden zehn Morde zugerechnet - an neun Migranten und an Kiesewetter. Kiesewetter und ihr Kollege hatten am 25. April 2007 in ihrem Streifenwagen Pause auf der Theresienweise gemacht. Die Täter gaben aus kurzer Entfernung Kopfschüsse auf die ahnungslosen Beamten ab. Kiesewetter starb - ihr Kollege überlebte, hat aber keine Erinnerungen an die Tat.

Drexler verwies auf widersprüchliche Angaben von Zeugen. «Es gibt kaum Zeugenaussagen, die miteinander vereinbar sind.» Vermutlich müsse sich auch irgendwann der Ausschuss entscheiden, wem man mehr und wem weniger glaube. Zu Spekulationen, wonach mehr als zwei Täter an der Ermordung Kiesewetters beteiligt sein könnte, meinte Drexler: «Es gibt Zeugen, die von drei Männern gesprochen haben. Aber das ist eine schwierige Frage.» Auch zur Annahme, dass Kiesewetter kein Zufallsopfer des NSU gewesen, sondern gezielt ausgewählt worden sein könnte, wollte sich Drexler noch nicht im Detail äußern. Der NSU-Ausschuss wollte am Montagnachmittag im Heilbronner Rathaus tagen und Ermittler befragen, die mit dem Fall Kiesewetter befasst waren.

Für die Bundesanwaltschaft sind die früheren Mitglieder des rechtsextremen Terrortrios NSU, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, Kiesewetters Mörder. Die genauen Umstände und vor allem das Motiv der Tat sind aber immer wieder Gegenstand von Spekulationen.