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Einer der angeklagten mutmaßlichen Gruppenvergewaltiger. Sein Gesicht zeigt er nicht.  Foto: dpa 

Nach sechs Verhandlungstagen zeichnet sich ein Bild der Massenvergewaltigung ab

Freiburg. Die Nacht vor der Disco wird das Freiburger Landgericht noch länger beschäftigen. Der Prozess dauert bis mindestens Ende Dezember. Fast alle elf Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen, die Richter sind auf Indizien angewiesen. Doch nach sechs Verhandlungstagen wird das Bild klarer. Im Raum steht eine rund zweieinhalb Stunden dauernde Gewalttat, die Schlagzeilen machte. Auch der Prozess, der Ende Juni begann, findet überregional Beachtung.

Die 18-Jährige, die im vergangenen Oktober nachts vor einer Diskothek in Freiburg Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurde, soll nun am 24. Juli, dem nächsten Prozesstag, aussagen – voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie hat gegenüber Freunden und der Polizei erklärt, sie sei in der Nacht vor der Disco von „mindestens 10 bis 15 Männern“ vergewaltigt worden. Die Männer flüchteten.

Nachdem die angehende Altenpflegerin zuvor in der Disco eine Ecstasy-Tablette und möglicherweise auch K.o.-Tropfen zu sich genommen hatte, sei sie hilf- und wehrlos gewesen, sagt Staatsanwalt Rainer Schmid. Der erste Täter habe sich an ihr vergangen und sei dann zurück in die Disco gegangen, um andere Männer zum Vergewaltigen zu animieren. Nacheinander und auch gleichzeitig sollen sie die Frau missbraucht haben. Augenzeugen gibt es laut dem Staatsanwalt nicht. Es seien aber Körperspuren und andere Beweise gefunden worden.

Die elf nun Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Nur einer von ihnen hat vor Gericht ausgesagt, ein anderer hat durch seinen Anwalt eine Erklärung verlesen lassen. Tenor: Die Frau habe Sex verlangt, die sexuellen Kontakte seien einvernehmlich gewesen. Das Gegenteil beweisen lasse sich nicht, sagt Verteidiger Jörg Ritzel. Zudem habe die Frau unter Drogen gestanden.

Das Vorgehen mancher der elf Pflichtverteidiger stößt in dem Strafprozess auf Kritik. „Einige Verteidiger verhalten sich sehr offensiv und in einer Weise, die dem Verfahren nicht angemessen ist“, sagt die Anwältin der 18-Jährigen, Christiane Steiert. Gegenüber Medien sei die junge Frau von den Juristen diffamiert worden. Das belaste sie. Zudem passe es nicht zusammen, dass Angeklagte und Verteidiger im Prozess zu den Vorwürfen schweigen, die Verteidiger aber gleichzeitig Interviews geben würden.

Pflichtverteidigerin Kerstin Oetjen sagt, der Prozess sei emotional aufgeladen und finde in der Öffentlichkeit statt. „Es ist daher unser Recht, Waffengleichheit herzustellen und uns öffentlich zu äußern“. Kritik an Verteidigern könne sie nicht nachvollziehen.

Der Chefermittler der Polizei, der als erster Zeuge auftrat, bestätigte die in der Anklage erhobenen Vorwürfe. So auch die Freundin der 18-Jährigen, die damals mit ihr in der Disco war, sie dann aber aus den Augen verlor. „Sie ist ein herzensoffener Mensch“, sagt die 20-Jährige über ihre damalige Begleiterin und widerspricht der These, sie habe an dem Abend von Männern Sex verlangt. Am Tatabend habe sie geweint und sei zusammengebrochen, nachdem sie von Vergewaltigungen berichtet habe. Sie leide bis heute.

Wie lange der Prozess dauern wird, lässt sich nicht abschätzen, sagt Richter Bürgelin. Mögliche Termine für Urteile gibt es noch nicht. Fest steht seit Freitag nur: Die Plädoyers werden, zum Schutz der 18-Jährigen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten, weil darin auch sexuelle Details zur Sprache kämen.