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 Polizei verstärkt landesweit die Motorradkontrollen © dpa
25.05.2014

Nach tödlichen Unfällen: Polizei verstärkt landesweit die Motorradkontrollen

Freiburg (dpa/lsw) - Nach einem deutlichen Anstieg der tödlichen Motorradunfälle verstärkt die Polizei ihre Kontrollen. Motorradfahrer sollen somit auf die Gefahren aufmerksam gemacht und sensibilisiert werden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg der Nachrichtenagentur dpa.

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Neben zu hoher Geschwindigkeit werde vor allem der technische Zustand der Zweiräder unter die Lupe genommen. Dabei achte die Polizei auch auf die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Lärmgrenzen. Hintergrund: Beschwerden über zu laute Motorräder haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Nach Angaben des Innenministeriums in Stuttgart hat sich die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Motorradfahrer landesweit nahezu verdoppelt. Von Jahresbeginn bis Ende April kamen laut Ministerium auf den Straßen im Südwesten 27 Motorradfahrer ums Leben. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren 14 Tote registriert worden.

Im Mai dieses Jahres habe es weitere Todesopfer gegeben, sagte ein Ministeriumssprecher. Landesweite Zahlen hierzu gebe es noch nicht. Allein am Samstag waren auf Baden-Württembergs Straßen drei Motorradfahrer bei Unfällen getötet worden. Ein 19-Jähriger kam in Achern (Ortenaukreis) beim Überholen anderer Fahrer mit seiner Maschine ins Schlingern und stieß mit einem entgegenkommen Auto zusammen. Zwei weitere Biker kollidierten auf der Bundesstraße 317 zwischen Titisee-Neustadt und Bärental (Breisgau-Hochschwarzwald) mit einem überholenden Fahrzeug. Alle drei Motorradfahrer starben an der Unfallstelle.

Ein Sprecher der Polizei sagte, die Entwicklung der Unfallzahlen hänge stark vom Wetter ab. Nach dem milden Winter habe es in diesem Jahr einen vergleichsweise frühen Start in die Motorradsaison und seither ein fürs Zweiradfahren günstiges Wetter gegeben. Der Verkehr und damit das Unfallrisiko habe dadurch deutlich zugenommen.

Verstärkt kontrolliert werde landesweit, teilte die Polizei mit. Neben stationären Kontrollen setze die Polizei auch auf mit Video- und Messtechnik ausgerüstete Motorräder, die auf der Straße unterwegs sind und Raser aus dem Verkehr ziehen.

«Jeder fünfte bei einem Verkehrsunfall Getötete in Baden-Württemberg verunglückt auf einem Motorrad», warnte Innenminister Reinhold Gall (SPD) beim landesweiten «Bikertag» am Sonntag in Stuttgart vor den Gefahren. Das Risiko bei einem Unfall getötet zu werden, sei mit dem Motorrad, bezogen auf die Jahresfahrleistung, 14 Mal höher als mit dem Auto. Es gelte daher erhöhte Vorsicht.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen Anstieg der Unfallzahlen gegeben. 2013 hatte die Polizei im Land 84 bei Verkehrsunfällen getötete Motorradfahrer gezählt und damit einen Anstieg gegenüber 2012 von 10,5 Prozent. In den meisten Fällen hatten die Zweiradfahrer den Angaben zufolge die Unfälle selbst verursacht. Zudem spielte bei der Mehrzahl der Unfälle überhöhte Geschwindigkeit eine Rolle.

Die Landesverkehrswacht, der TÜV Süd, der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart und der ADAC Südbaden in Freiburg riefen die Motorradfahrer dazu auf, mindestens einmal pro Saison ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. «Vor allem Fahrern, die nur gelegentlich unterwegs sind, fehlt die Routine und das Gefühl für die Maschine», sagte der Vorsitzende des ADAC Südbaden, Clemens Bieniger. Mit regelmäßigem Üben könnten Motorradfahrer ihr Reaktions- und Wahrnehmungsvermögen verbessern. Unfälle könnten so vermieden werden.