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Gut gelaunt geht Stefan Mappus in Freiburg in die Bütt. Sein närrisches Comeback lebte von viel ironischer Selbstkritik. 
Gut gelaunt geht Stefan Mappus in Freiburg in die Bütt. Sein närrisches Comeback lebte von viel ironischer Selbstkritik.  © dpa
22.01.2012

Närrisches Comeback: Stefan Mappus gibt sich selbst eins auf die Mütze

Freiburg. Vor einem Jahr, damals noch in Amt und Würden des Ministerpräsidenten, hat der CDU-Politiker Stefan Mappus die Ehrenmütze der Freiburger Narrenzunft «Fasnetrufer» bekommen - und versprochen, wiederzukommen. Dieses Jahr sollte er die Laudatio auf seinen Nachfolger halten. Obwohl inzwischen abgewählt, kam Mappus am Samstagabend nach Freiburg.

«Wir haben nicht damit gerechnet», sagt Zunftvogt Alexander Schöpe. «Ich bin ein Mann, der sein Wort hält», erklärt Mappus, als er den Saal betritt. Der 45-Jährige, begleitet von Ehefrau Susanne Verweyen-Mappus, zeigt sich bester Laune. Er wirkt wie befreit, mischt sich unter die Narren, ist für jeden Scherz zu haben.

Hatte er seine Rede vor einem Jahr noch emotionslos vom Blatt abgelesen, bringt er nun Stimmung in die Bütt. «Ich hab die Rede diesmal selbst geschrieben. Vielleicht liegt es daran», sagt er, bevor er die Bühne betritt, sich das Hemd vom Leib reißt und sich im Trikot des Sportclubs Freiburg präsentiert: mit der Nummer 1 und dem Namen Mappus.

Ins Zentrum des Spotts stellt Mappus sich selbst. Einen Monat, nachdem er die Zunftmütze erhalten hatte, wurde er bei der Landtagswahl abgewählt. «Es nahm das Übel seinen Lauf, weshalb ich mir noch heut die Haare rauf», sagt er. «Es war ein Leidensweg, den ich hab mit der Mütz zurückgelegt.»

Mappus nimmt Stuttgart 21 aufs Korn, seinen «politischen Super-GAU» Fukushima, den grünen Nachfolger Winfried Kretschmann, seinen nur drei Monate dauernden Job beim Pharma- und Chemiekonzern Merck und den Untersuchungsausschuss zum EnBW-Aktienkauf. Für Merck sollte er in Brasilien, an der Copacabana, arbeiten. Doch daraus ist nichts geworden. «Jetzt sitz ich da mit meiner Ehrenmütz, und ärger mich wie der Blitz: Statt Caipi am Strand von Rio, Untersuchungsausschuss in Stuttgart - lecko mio», sagt Mappus und kündigt an, im Untersuchungsausschuss offensiv aufzutreten.

Später sagt er ernst: «Ich will, dass Klarheit geschaffen wird.» Er stehe zu dem von ihm eingefädelten Rückkauf der EnBW-Aktien am Parlament vorbei. Er setze auf Verteidigung. «Es geht auch darum, Schaden vom Unternehmen EnBW abzuwenden.» Die Kritik an seinem EnBW-Deal nennt er eine «politisch motivierte Kampagne».

Mappus ist der vierte Ministerpräsident, der die seit 1975 jährlich vergebene Freiburger Zunft-Mütze trägt. Seine Vorgänger Hans Filbinger, Lothar Späth und Erwin Teufel (alle CDU) war sie ebenfalls aufgesetzt worden. Grünen-Ministerpräsident Kretschmann ist von Freiburgs Narren nicht angefragt worden. Ein Aufeinandertreffen von Mappus und Kretschmann auf einer Bühne war den Freiburger Narren dann doch zu heikel.

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