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Ein Urteil des höchsten deutschen Strafgerichts gibt dem Ludwigsburger Nazi-Jäger Rommel neuen Auftrieb, nach NS-Verbrechern zu suchen - und seien sie noch so alt.
Ein Urteil des höchsten deutschen Strafgerichts gibt dem Ludwigsburger Nazi-Jäger Rommel neuen Auftrieb, nach NS-Verbrechern zu suchen - und seien sie noch so alt. © dpa
04.01.2017

Nazi-Jäger: Absurd, an Schließung der Ermittlungsbehörde zu denken

Ludwigsburg (dpa/lsw) - Für die Experten der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg ist die Ende November gesprochene Gröning-Entscheidung des Bundesgerichtshofs ein neuer Weckruf. «Weil wir jetzt wissen, dass auch Auschwitz-Wachleute wie Oskar Gröning mitverantwortlich sind am damaligen Massenmord, suchen wir weiter nach ähnlichen systematischen Tötungen in anderen Konzentrationslagern», sagte der Leiter der Ermittlungsbehörde, Jens Rommel, der Deutschen Presse-Agentur. Mit der höchstrichterlichen Entscheidung «wäre es absurd, heute an eine Schließung unserer Behörde auch nur zu denken», betonte der 44-Jährige.

Der BGH hatte mit Gröning erstmals einen Auschwitz-Helfer mitverantwortlich für Hunderttausende Morde in dem Arbeits- und Vernichtungslager gemacht. Damit ist der 95-Jährige rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt - wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen. Der 95-Jährige habe «durch seine allgemeine Dienstausübung in Auschwitz bereits den Führungspersonen in Staat und SS Hilfe» geleistet. (Az. 3 StR 49/16)

Die Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen hat weitere ehemalige KZ-Wachleute im Visier. Laut Rommel wird Beihilfe zum Mord in den Lagern Bergen-Belsen, Neuengamme, Ravensbrück, Buchenwald und Mittelbau-Dora geprüft. Fortgesetzt werden auch Vorermittlungen zu ehemaligen Auschwitz-Wachmännern. Außerdem suchen die Experten nach NS-Tätern auch in Argentinien und Brasilien. «Südamerika haben wir jetzt aber zurückgefahren, weil unsere Priorität eindeutig auf der Prüfung der Lager im Inland liegt», betonte Rommel.

Im vergangenen Sommer - also noch vor der BGH-Entscheidung - waren Rommel und seine Mannschaft auf acht mutmaßliche NS-Verbrecher aus dem Lager Stutthof bei Danzig gestoßen. Wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden Fällen wurden Vorermittlungen an die Staatsanwaltschaften in Stuttgart, Hamburg, Celle, Dortmund, München, Lübeck und Itzehoe abgegeben. Den Angaben nach geht es um vier Wachleute sowie um vier Frauen, die als Schreibkraft, Telefonistin oder Fernsprechvermittlerin in der Lager-Kommandantur tätig gewesen sein sollen.

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