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Ein Idyll mitten in der Stadt: der Karlsruher Zoo. Fotos: Deck
Ein Idyll mitten in der Stadt: der Karlsruher Zoo. Fotos: Deck
Matthias Reinschmidt – hier neben einer Riesenschildkröte – leitet seit 1. Juli den Tierpark.
Matthias Reinschmidt – hier neben einer Riesenschildkröte – leitet seit 1. Juli den Tierpark.
Rund 3000 Tiere tummeln sich im Karlsruher Zoo – darunter auch Familie Nilpferd.
Rund 3000 Tiere tummeln sich im Karlsruher Zoo – darunter auch Familie Nilpferd.
07.08.2015

Neue Ideen für Karlsruher Zoo zum 150-jährigen Bestehen

Karlsruhe. Aus alt mach’ jung: Der Karlsruher Zoo wird 150 Jahre alt, hat sich gerade eine neue Leitung verpasst und macht sich auch sonst mit frischen Ideen auf in die nächsten Jahre. Projektgruppen befassen sich seit Monaten mit der Zukunft des Zoologischen Gartens mitten in der Stadt, einer „einmaligen Kombination aus Botanik und Zoologie“, wie Gisela Fischer vom Vorstand der Zoofreunde Karlsruhe berichtet. Und das Geburtstagsgeschenk ist auch schon fertig: ein nagelneues Exotenhaus für rund 21 Millionen Euro. „Genial“, sagt Matthias Reinschmidt, der das Haus seit 1. Juli leitet.

1865 gegründet, ist der Zoo einer der ältesten in Deutschland. Er gehört zu den deutlich mehr als 50 deutschen Zoos, die im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) organisiert sind. VdZ-Kriterium vor allem: „eine wissenschaftliche Leitung“, erklärt Peter Dollinger, Geschäftsführer des Verbandes. Neben diesen wissenschaftlich geführten Zoos gibt es nach seinen Worten „700 plus Tier- und Wildparks aller Art in Deutschland“.

Zoo-Experte Dollinger kennt den Karlsruher Zoo schon lange und stellt ihm ein gutes Zeugnis aus: „In den 1960er-Jahren war er noch recht klein, aber einige Gebäude waren damals schon ,State of the Art‘“, erinnert er sich. Das – inzwischen wieder modernisierungsbedürftige – Elefantenhaus war eines der modernsten im deutschsprachigen Raum; das Raubtierhaus, dem damals wegweisenden Baseler Raubtierhaus nachgebaut, ebenso wie das Giraffenhaus nach Frankfurter Vorbild. Jahrzehnte der Stagnation folgten, bis es Ende der 1990er-Jahre wieder mit den Investitionen losging.

„Die Außengehege wurden vergrößert, ein Flusspferdhaus errichtet und viel in die Wasserwelten investiert“, sagt Dollinger. „Grundsätzlich gilt: Je mehr ein Zoo in Neuanlagen investiert, umso höher ist das Besucherwachstum“, schreibt zudem der VdZ. Den 23 Hektar großen Karlsruher Zoo nebst Stadtgarten besuchten im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Menschen; 60 Prozent davon kamen von außerhalb.

Etwa ein Jahr wurde der Zoo kommissarisch geleitet; mit Zoo-Direktor Reinschmidt soll nun vieles anders werden: Naturschutz und neue Gehegeformen hat sich der 51-Jährige auf die Fahnen geschrieben – „ich habe viele Visionen“.

Rund 3000 Tiere tummeln sich im Zoo – allein 2000 davon sind im neuen Exotenhaus, dem zweitgrößten Deutschlands. Dort gibt es einen Zuwachs von 100 auf rund 240 verschiedene Tierarten. Dafür hat der Zoo keine Nashörner und nur eine Menschenaffenart. Überhaupt gehört das Affenhaus zu den größten Baustellen: Das Gehege aus den 1960er-Jahren ist nicht mehr zeitgemäß. Reinschmidt würde am liebsten gleich neu bauen – und Orang-Utans aufnehmen. „Von ehemals einer Million Tieren gibt es nur noch 35 000 – das geht mir sehr zu Herzen.“

Auch außerhalb der Tier- und Pflanzenwelt gibt es nach Worten von Gisela Fischer Handlungsbedarf: Das Kassensystem ist altmodisch, Tickets können nicht online bestellt werden, Elektro- und Wasserinstallationen seien veraltet und kosteten viel Geld. Was konkret angegangen und wie viel investiert wird, will das Stadtparlament Ende des Jahres nach der zweiten Runde des Bürgerforums im Herbst beraten und beschließen.

Abzüglich der erwirtschafteten Erträge von rund 3,8 Millionen jährlich (Zahlen von 2013) muss die Stadt den Zoo mit knapp sechs Millionen Euro bezuschussen. Bei den Eintrittspreisen ist jedenfalls noch Luft nach oben: 7,50 Euro kostet eine Tageskarte. Die Stuttgarter Wilhelma ist mehr als doppelt so teuer, in Köln sind es 17,50 und in Heidelberg wenigstens zehn Euro. „Das sind Stellschrauben, an denen wir drehen müssen“, sagt Fischer.

Spätestens seit es vor vier Jahren im Zoo gebrannt hat, wissen auch die Verantwortlichen in der Stadt, was der Zoo der Bevölkerung bedeutet, betont Fischer, die für die SPD auch im Stadtrat sitzt. „Das ist bei allen Parteien angekommen.“