nach oben
Michael Blume, der neue Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung. Foto: dpa
Michael Blume, der neue Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung. Foto: dpa
13.03.2018

Neuer Antisemitismusbeauftragte des Landes: Kampf gegen Judenfeindlichkeit

Stuttgart. Der neue Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, will der Judenfeindlichkeit im Südwesten ein Ende bereiten. „Es ist traurig, dass es in Deutschland und Baden-Württemberg einen Antisemitismusbeauftragten braucht“, sagte der 41 Jahre alte Religionswissenschaftler am Dienstag in Stuttgart.

Er wolle hart dafür arbeiten, dass ein solches Amt überflüssig werde. Zuvor war der 41-Jährige vom Kabinett in sein Amt berufen worden. Alle Fraktionen im Landtag außer der AfD hatten den Einsatz eines Antisemitismusbeauftragten begrüßt.

Blume sieht in Rechtsextremismus und Islamismus den Nährboden für Judenfeindlichkeit. Das seien die großen Felder, auf denen der Antisemitismus bekämpft werden müsse. Er soll Ansprechpartner für jüdische Gruppen sein, aber auch für Moscheegemeinden, Bildungseinrichtungen und Kommunen. Der dreifache Vater soll die Schritte der Landesregierung gegen Judenfeindlichkeit koordinieren, eine unabhängige Expertenkommission aus Wissenschaftlern einrichten und in einer künftigen Bund-Länder-Kommission zum Thema mitwirken.

Als einen Teil seiner Aufgaben sieht Blume auch, Aussagen von Politikern zu bewerten und einzuordnen. Als Beispiel nannte er Äußerungen des fraktionslosen AfD-Politikers Wolfgang Gedeon, dem er ein geschlossenes antisemitisches Weltbild bescheinigte. Sein Amt umfasse überdies die Bildungsarbeit in Schulen und Familien. Antisemitismus werde von einer Generation zur nächsten über Mythen weitergegeben. Bewährt habe sich ein Projekt in Baden, bei dem junge Juden mit gleichaltrigen Nicht-Juden ins Gespräch kämen.

Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) betonte, man müsse Einwanderer-Kinder durch pädagogische Konzepte vom Antisemitismus wegbringen. Die Familien kämen aus Gesellschaften, die stark antisemitisch vorgeprägt seien. Blume nannte ein weiteres Problem: „Eine Enthemmung hat stattgefunden auch durch die digitalen Medien.“

Blume ist Referatsleiter für „Nichtchristliche Religionen“ und hat unter anderem die Aufnahme eines Sonderkontingents von 1000 Jesidinnen im Land organisiert. Er erhält eine Geschäftsstelle im Staatsministerium und mehrere Mitarbeiter. Bereits im kommenden Jahr soll er dem Landtag einen ersten Bericht vorlegen. In Rheinland-Pfalz gibt es bereits einen Antisemitismusbeauftragten. Auch im Bund ist er beschlossene Sache.

Im vergangenen Jahr registrierten die Behörden im Südwesten 98 antisemitische Straftaten, davon 91 rechtsextremistisch motivierte. Die höchste Zahl der vergangenen Jahre wurde 2014 mit 166 Straftaten aus Hass gegen Juden gezählt.