nach oben
Restaurator Gunther Weinreuter (links) betrachtet im Aalener Limesmuseum zusammen mit Museumsleiter Martin Kemkes die Statue des römischen Kaisers Traian. Foto: Puchner
Restaurator Gunther Weinreuter (links) betrachtet im Aalener Limesmuseum zusammen mit Museumsleiter Martin Kemkes die Statue des römischen Kaisers Traian. Foto: Puchner
Zwei Jahre lang wurde das Museum saniert und modernisiert. Foto: Puchner
Zwei Jahre lang wurde das Museum saniert und modernisiert. Foto: Puchner
Museumsleiter Kemkes im Freigelände des Limesmuseums. Er steht dort, wo die Römer einst ein Reiterkastell unterhielten. Foto: Puchner
Museumsleiter Kemkes im Freigelände des Limesmuseums. Er steht dort, wo die Römer einst ein Reiterkastell unterhielten. Foto: Puchner
Zwei Jahre lang wurde das Museum saniert und modernisiert. Foto: Puchner
Zwei Jahre lang wurde das Museum saniert und modernisiert. Foto: Puchner
08.05.2019

Neues Limesmuseum Aalen: Einer Weltmacht auf der Spur

Aalen. Das neue Limesmuseum in Aalen eröffnet am 24. Mai wieder seine Pforten. Das Leben und Wirken der Römer wird hier hautnah erfahrbar.

Römische Geschichte wohin man schaut. Am Eingang sogar unter den Füßen: „Wir stehen direkt auf der Mauer des größten Reiterkastells nördlich der Alpen“, sagt Martin Kemkes (55). Dass die Mauer längst weg ist und durch einen beschrifteten Bodenstreifen symbolisiert wird, tut der Sache keinen Abbruch, findet der Leiter des Limesmuseums in Aalen. Die Fantasie werde so eher noch beflügelt. „Hier waren 1000 Reitersoldaten samt Pferden untergebracht, das muss man sich mal vorstellen.“ Ende des Monats wird das Museum nach zweieinhalbjähriger Sanierung und Modernisierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wiedereröffnet – zwei Tage vor der Europawahl am 26. Mai.

Freilich ist der Termin der Bauplanung geschuldet und kein Einfall von EU-Wahlmanagern. Aber die Bedeutung des Limesmuseums für Europa und das Studium seiner Geschichte ist nach Kemkes‘ Überzeugung kaum zu überschätzen. Das spiegele sich im neuen Konzept für das zuerst 1964 eröffnete größte Museum am 550 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limes, den die Unesco 2005 in den Rang einer Weltkulturerbestätte erhob.

Der Limes habe die Möglichkeit eines kontrollierbaren Austausches mit den jenseits davon lebenden Völkern geboten, meint auch Kemkes. „Die Römer waren tolerant gegenüber anderen Kulturen und Religionen, aber sie wollten wissen, wer in ihr Reich kommt und wer es verlässt.“ Das neue Museum helfe bei der Suche nach Antworten auf Fragen wie diese: „Wie ging damals eine Weltmacht mit vermeintlich barbarischen kleineren Völkern um? Und was können wir daraus lernen?“

Anfangs führt die Museumstour, zu der auch das Freigelände mit Überresten des Kastells gehört, in Räume, die das Leben der Römer in Aalen und Umgebung veranschaulichen. Dazu werden Methoden des sogenannten digitalen Storytelling nutzbar gemacht: Vor den Besuchern präsentiert sich eine 1800 Jahre zurückliegende Welt anhand der persönlichen Lebensgeschichten von sieben Menschen, die tatsächlich in der Aalener Region gelebt haben – Soldaten ebenso wie Zivilisten. Kemkes: „Alles hier wird nun viel besser präsentiert.“ Wie die Statue des Kaisers Trajan (53 bis 117 nach Christus). Die von ihm in Auftrag gegebenen Trajansmärkte in Rom gelten als Vorläufer der heutigen Shopping Malls. Die Originalstatue aus Marmor steht zwar im Pariser Louvre. Doch rund 1200 Stücke, die im neuen Limesmuseum auf 1500 Quadratmetern gezeigt werden, sind Originalfunde aus der Region.

Das bedeutendste Römermuseum zwischen Schwarzwald, Bodensee und Allgäu sei der Stolz sehr vieler der knapp 70 000 Aalener Bürger, sagt Oberbürgermeister Thilo Rentschler (SPD). Mit ihrer modernen Industrie und ihrer uralten Geschichte sei die Stadt am Rande der Schwäbischen Alb von überregionaler Bedeutung – wie schon vor rund 2000 Jahren. Da reichte die römische Provinz Raetia vom heutigen Schwäbisch-Gmünd bis nach Passau in Bayern. Mit Augsburg als Hauptstadt und Aalen als größtem Militärstützpunkt.

„Mit dem Limesmuseum legen wir Zeugnis ab für die uralte römische Geschichte in unserer Region“, sagt Rentschler (51). „Und wir leisten einen Beitrag für das Projekt Deutsche Limes-Straße mit inzwischen 93 Städten, Märkten und Gemeinden sowie zahlreichen Landkreisen und Touristikgemeinschaften als Mitgliedern.“

Rentschler ist Vorsitzender des Vereins, dessen Geschäftsstelle im Aalener Limesmuseum untergebracht ist. Realisiert wurde das Vorhaben mit Gesamtinvestitionen von rund 8,5 Millionen Euro durch die Stadt, das Land und Bund. „Ganz leicht war es nicht, auch den Bund zu überzeugen, der am Ende 2,6 Millionen aus dem Topf für Projekte von nationaler Bedeutung beigesteuert hat“, sagt Rentschler.

Dass auch künftig rund 40 000 Besucher pro Jahr in das Aalener Limesmuseum kommen, gilt als sicher. 30 bis 40 Prozent waren bislang Schulklassen, zumeist aus Baden-Württemberg und Bayern. „Zum Glück stehen die Römer ja immer noch im Bildungskanon“, sagt Kemkes.