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© dpa
07.08.2015

Noch Tausende offene Lehrstellen im Südwesten

Stuttgart. Wenige Wochen vor dem Start des neuen Ausbildungsjahrs gibt es in Baden-Württemberg noch Tausende offene Lehrstellen. Im Handwerk seien schätzungsweise 8000 Azubi-Stellen frei, teilte der Baden-Württembergische Handwerkstag mit. Die Zahl liege etwa auf Vorjahres-Niveau. Das Ausbildungsjahr beginnt am 1. September. Als Grund für den Fachkräfte-Mangel gilt zum einen der demografische Wandel. Außerdem beklagen sich Arbeitnehmer-Vertreter immer wieder, die Schule setze den Fokus zu stark auf die akademische Laufbahn anstatt auf Perspektiven als Azubi.

Großen Bedarf an jungen Mitarbeitern haben beispielsweise Bäcker, Metzger oder Straßenbauer. 4000 der offenen Handwerksstellen seien bei den Kammern gemeldet, hieß es. Hinzu kämen wohl weitere 4000 offene Stellen, die entweder nur bei der Agentur für Arbeit oder nirgends mehr als Angebote eingetragen werden: So hat es mancher Bäcker nach jahrelanger erfolgloser Suche inzwischen aufgegeben, nach einem Lehrling zu suchen. Sollte doch ein guter Interessent auftauchen, bekäme er eine Lehrstelle - der Bedarf ist also da, wenngleich nicht amtlich registriert.

Auch die Industrie und der Handel suchen händeringend nach Fachkräfte-Nachwuchs. Allein die IHK Stuttgart, die größte der zwölf Kammern in Baden-Württemberg, bietet noch 570 freie Ausbildungsplätze an, 100 davon im Bereich Hotellerie und Gastronomie. Bei der IHK Rhein-Neckar waren noch 619 Stellen offen, bei der IHK Karlsruhe 266. Neben Handwerk sowie Industrie und Handel gibt es noch den Bereich der freien Berufe, in dem Azubi-Plätze angeboten werden, etwa als Arzthelfer und Erzieher. Hierzu lagen keine Zahlen vor.

Eine gute Nachricht gab es auch: Wohl wegen der guten Konjunktur konnten Handwerksbetriebe bisher 12 000 Ausbildungsverträge abschließen, 300 mehr als noch vor einem Jahr. Besonders attraktiv sind nach Angaben des Handwerkstags die Bereiche Elektrotechnik sowie Gesundheit, also etwa Hörgeräteakustiker oder Zahntechniker. Diese Berufe weckten das Interesse vieler junger Leute, auch weil sie mit Blick auf den demografischen Wandel als sichere Branchen gelten.

Laut Regionaldirektion für Arbeit waren Ende Juli noch rund 24 000 Lehrstellen offen. Bei der Arbeitsagentur hatten sich rund 60 000 Bewerber gemeldet, von ihnen haben sich bislang rund 22 600 zurückgemeldet und gesagt, dass sie inzwischen eine Azubistelle bekommen haben. Diese Zahl war in etwa so hoch wie zum Vorjahreszeitpunkt.