nach oben
Noch kein Durchbruch für Süßstoff-Pflanze Stevia.
Noch kein Durchbruch für Süßstoff-Pflanze Stevia © dpa
15.11.2011

Noch kein Durchbruch für Süßstoff-Pflanze Stevia

Die Teilzulassung des Stevia-Süßstoffs durch die Europäische Union (EU) ist nach Ansicht eines Experten der Universität Hohenheim noch kein Durchbruch. «Mit den Vorgaben der EU können ab Dezember maximal 30 Prozent des Zuckers ersetzt werden», sagte Udo Kienle, in Stuttgart. Verbraucher könnten zwar Stevia-Süße und Stevia-gesüßte Lebensmittel wie Joghurt, Bonbons, Limo, Marmelade und Speiseeis kaufen. Die Auflagen seien aber hoch.

So müssten Lebensmittelfirmen sicherstellen, dass eine Tages-Höchstdosis von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten werde. Auch der Anbau von Stevia sei noch nicht zugelassen.

Gleichwohl freue er sich über die Entscheidung der EU. Die Teilzulassung sei ein wichtiger Schritt für die Verbraucher, sagte Kienle. Das Potenzial von Stevia sei hoch. Mit dem Cola-Lieferanten Cargill habe jetzt ein großes Unternehmen ein Projekt zur Markteinführung gestartet.

Der Stuttgarter Wissenschaftler forscht seit fast 30 Jahren an dem Kraut, das aus Paraguay stammt. Der Süßstoff aus der Pflanze wächst natürlich, ist deutlich süßer als Zucker - aber kalorienfrei. Forschungsbedarf gebe es noch reichlich, machte Kienle deutlich. In Stuttgart arbeiten fünf Wissenschaftler an Anbau- und Verarbeitungsverfahren. Auch untersuchen sie die Akzeptanz.

Die Lebensmittel-Industrie sei ebenfalls gefordert, sagte der Stuttgarter Fachmann. «Die Herstellungsverfahren der Steviolglykoside sind noch nicht einheitlich genug. Jeder Hersteller macht es etwas anders und jedes Mal schmeckt der Stoff etwas anders.» Dass der Süßstoff gesundheitlich derzeit nicht als unbedenklich eingestuft wird, liegt seiner Meinung nach ebenfalls an der Herstellung. Wer dauerhaft zu viel Stevia-Süße zu sich nehme, könne eventuell einen abgesenkten Blutdruck bekommen. Weitere medizinische Studien seien sinnvoll. «Wenn es um die menschliche Gesundheit geht, hat die EU zu recht hohe Hürden gesetzt», betonte der Wissenschaftler.