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Huderte Einsatzkräfte haben den Ernstfall im Tunnel geprobt.
Huderte Einsatzkräfte haben den Ernstfall im Tunnel geprobt. © dpa
01.11.2012

Notfall im Tunnel: Hunderte Kräfte proben die Katastrophe

Leonberg (dpa/lsw) - Es qualmt aus dem Engelbergtunnel. Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken bahnen sich ihren Weg. Verletzte liegen zwischen Autos. Ein Lastwagen steht quer. Mehr als 600 Einsatzkräfte haben am Donnerstag in dem gut 2,5 Kilometer langen Tunnel auf der Autobahn 81 bei Leonberg (Kreis Böblingen) den Ernstfall geprobt. «Wir sind mit dem Übungsverlauf sehr zufrieden», sagte Michael Hagmann vom Regierungspräsidium Stuttgart im Anschluss.

Die Organisatoren simulierten einen Unfall, bei dem sich ein Lkw querstellte und Feuer fangen sollte. Die Behörden der Landkreise Böblingen und Ludwigsburg, Feuerwehren, Sanitäts- und Rettungsdienste sowie das Technische Hilfswerk wollten testen, ob alle Abläufe sitzen und die Hilfe für die Menschen rechtzeitig an Ort und Stelle ist. Aus gutem Grund: Täglich passieren im Schnitt rund 125 000 Fahrzeuge die beiden Tunnelröhren zwischen Karlsruhe und Heilbronn, wie Hagmann sagte. Übungen wie diese an Allerheiligen sind Pflicht.

Etwa 50 blutig geschminkte Darsteller spielten die Opfer des Unglücks. Einige hatten Platzwunden aufgemalt bekommen, einige hatten täuschend echt aussehende Knochenbrüche. Die Sanitäter mussten Tragen einsetzen. Künstlicher Disconebel erschwerte die Sicht im Tunnel.

Eine kleine Panne verzeichnete Hagmann dabei: «Bei der Entrauchung wurde erst das falsche Programm abgespielt.» So sei der Rauch zunächst über die Flucht- und Verbindungsstollen in die eigentlich nicht betroffene benachbarte Tunnelröhre gelangt. Das Programm sei aber schnell umgestellt worden, versicherte Hagmann. Ein menschliches Versehen, kein technischer Defekt.

Etwa drei Minuten nach dem ersten Alarm seien die ersten Feuerwehren am Tunnel gewesen. Wie bei einem echten Einsatz mussten auch Tunnelwände und die Decke gekühlt werden. Bloß der Zünder für ein kleines Feuer am Lkw funktionierte nicht - die Einsatzkräfte löschten trotzdem. Um die Sicht zusätzlich zu erschweren und dunklen Ruß zu simulieren, wurde die Beleuchtung gedimmt.

Für die Übung hatte die Polizei die A81 zwischen der Anschlussstelle Stuttgart-Feuerbach und dem Autobahndreieck Leonberg gesperrt. Auf den umliegenden Autobahnen, die als Umleitung ausgeschrieben waren, kam es zwischenzeitlich zu kilometerlangen Staus. Auf den Brücken beobachteten Schaulustige das Szenario.

«Ich danke den engagierten und hochmotivierten Ehrenamtlichen der beteiligten Feuerwehren, der Rettungs- und Sanitätsdienste, des THW sowie den Laiendarstellern, ohne die eine solche Übung im Dienste unserer Sicherheit nicht möglich wäre», sagte Regierungsvizepräsident Christian Schneider nach der Einsatz- und Katastrophenschutzübung. «Sie opfern nicht nur heute ihre freien Tage, um Menschen zu helfen.»

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