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Die von der SPD unterstützte parteilose OB-Kandidatin Bettina Wilhelm wird zum zweiten Wahlgang bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart nicht mehr antreten. © dpa
Stuttgarts OB-Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Fritz Kuhn, hat im ersten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinen können. Im zweiten Wahlgang könnnte entscheidend sein, wie sich die Wähler der SPD verhalten, beziehungsweise, welche Empfehlung die SPD geben wird. © dpa
08.10.2012

OB-Wahl Stuttgart: Fritz Kuhn (Grüne) will SPD-Stimmen

Nach dem knappen Sieg des Grünen-Kandidaten Fritz Kuhn im ersten Wahlgang der Stuttgarter OB-Wahl beginnt nun das Werben um die Wähler der abgeschlagenen SPD-Kandidatin. Sowohl Grüne als auch die CDU mit ihrem Kandidaten Sebastian Turner setzen darauf, die Stimmen für die Schwäbisch Haller Sozialbürgermeisterin Bettina Wilhelm im zweiten Wahlgang zu ihrem Kandidaten herüberzuholen.

Bildergalerie: OB-Kandidatin Bettina Wilhelm gibt auf

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Fritz Kuhn, Grüne 46%
Sebastian Turner, CDU 30%
Mir egal 24%
Stimmen gesamt 378

Diese tritt beim zweiten Wahlgang nicht mehr an. «Ich werde meine Kandidatur zurückziehen», sagte die Schwäbisch Haller Sozialbürgermeisterin am Montag in Stuttgart. Eine direkte Empfehlung für einen anderen Bewerber wollte sie nicht abgeben. Die parteilose Wilhelm hatte am Sonntag im ersten Wahlgang nur 15,1 Prozent erhalten. Sie landete weit abgeschlagen hinter dem grünen Kandidaten Fritz Kuhn und dem bürgerlichen Bewerber Sebastian Turner nur auf Rang drei.

Kuhn kündigte bereits am Sonntagabend an, er werde mit Bettina Wilhelm und dem Stuttgart-21-Gegner Hannes Rockenbauch Gespräche führen. Rockenbauch, der auf Rang vier landete, will erst in einigen Tagen entscheiden, ob er nochmal antritt. Stuttgarts CDU-Chef Stefan Kaufmann hält es für möglich, dass viele Wilhelm-Wähler im zweiten Wahlgang für Turner stimmen. «Da ist einiges für uns drin, sicherlich mehr als für Fritz Kuhn.»

Nach Einschätzung des Kommunalexperten Paul Witt wird der 57-jährige Kuhn den zweiten Wahlgang in zwei Wochen gewinnen und als erster Grüner den Chefsessel in einer Landeshauptstadt erklimmen. «Alles andere wäre für mich eine Sensation», sagte der Rektor der Verwaltungshochschule Kehl der dpa. Aus dem ersten Wahlgang am Sonntag war der Grüne mit 36,5 Prozent als Sieger hervorgegangen. Der parteilose Turner, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt wird, ist Kuhn allerdings mit 34,5 Prozent dicht auf dem Fersen.

Für Turner werde es auf jedem Fall schwierig. Er halte es für denkbar, dass sich SPD und Grüne absprächen, um ein Stadtoberhaupt auf CDU-Ticket zu verhindern. «Wenn nun die SPD mit den Grünen zusammen den Deal hinkriegt, dann würde es ja reichen.»

Sollten also sowohl Wilhelm als auch Rockenbauch ihre Kandidatur zurückziehen, werde es für Turner sehr eng. «Dann kann ich mir fast nicht vorstellen, dass man da noch etwas herumreißen kann», sagte Witt. Die Mehrheit der Stimmen von Wilhelm und Rockenbauch würde seiner Ansicht nach tendenziell eher zu Kuhn als zu Turner gehen. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 46,7 Prozent - für Kuhn und Turner gelte es daher in den kommenden Wochen, die große Zahl der Nichtwähler für sich zu erschließen.

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