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04.04.2010

Osterpredigten: Bischöfe plädieren für einen Neuanfang

STUTTGART/FREIBURG. Die katholischen und evangelischen Bischöfe in Baden-Württemberg haben in ihren Osterpredigten die sexuellen Missbrauchsfälle verurteilt und um Vertrauen geworben. Der katholische Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, sagte, die bekanntgewordenen Übergriffe seien zwar meist vor langer Zeit geschehen. Sie wirkten aber „so entsetzlich, wie wenn sie heute geschehen wären.“

Priester, Ordensleute und alle Christen, die sexuelle Übergriffe begingen, laden eine schwere Sünde auf sich, betonte Fürst in seiner Osterpredigt im Stuttgarter Dom St. Eberhard. Solche Übergriffe seien „verabscheuungswürdige Verbrechen“. Der Osterglaube gebe Kraft für einen Neuaufbruch.

Die katholische Kirche durchlebt nach Angaben des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch „schmerzlich aufrüttelnde und betrüblich turbulente Monate“. Die Zeichen der Zeit verwiesen auf Trauer und Schmerz bis zur Sprachlosigkeit, sagte Zollitsch in einem Ostergruß, der am Sonntag im Internetportal des Erzbistums veröffentlicht wurde. „Auch und gerade heute gelte es, sich gemeinsam auf den Weg zu machen und die unbegreiflichen Vorkommnisse, die abscheulichen Verbrechen, die dunklen Seiten der Kirche sowie die Dunkelheiten in uns in den Blick zu nehmen. Dabei dürfe die Kirche jedoch nicht stehen bleiben: Wir brauchen einen Neuanfang“, schrieb Zollitsch. Er sei nötig, „Brücken des Vertrauens“ zu bauen.

Zollitsch predigte in diesem Jahr wegen einer Erkrankung nicht. An seiner Stelle hielt Weihbischof Paul Wehrle eine Osterpredigt im Münster Freiburg. In Anspielung auf den Missbrauchsskandal sagte er dort: „Kann man, kann die Kirche eine nach menschlichen Maßstäben unglaubliche Botschaft verkünden, wenn die eigene Glaubwürdigkeit gefährdet und spürbar beeinträchtigt ist?“

In der Stuttgarter Stiftskirche betonte der evangelische Landesbischof Frank Otfried July, dass viele Menschen nach wie vor viel von Menschen erwarteten, die in der Kirche und Diakonie tätig seien. „Umso größer ist die Enttäuschung, wenn sich Erwartungen nicht erfüllen, wenn Menschen, denen Jugendliche anvertraut waren, sich auf schreckliche Weise verfehlt haben.“ dpa