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Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) darf das erste Bierfass öffnen. Damit ist der Wasen eröffnet. Foto: dpa
Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) darf das erste Bierfass öffnen. Damit ist der Wasen eröffnet. Foto: dpa
Göckele im Anflug: Kirmes-Klassiker und Schwäbische Spezialitäten füllen die hungrigen Mägen. Foto: dpa
Göckele im Anflug: Kirmes-Klassiker und Schwäbische Spezialitäten füllen die hungrigen Mägen. Foto: dpa
23.09.2017

O’zapft isch beim Cannstatter Wasen

Stuttgart. Vier Schläge braucht Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn für den Fassanstich. Seither fließt das Bier. 10,50 Euro kostet die Maß. PZ-news zeigt, was man sonst über den Wasen wissen muss.

So golden wie die Sonne zum Herbstanfang strahlt, so golden fließt jetzt auch das Bier aus den Zapfhähnen des Cannstatter Wasen: Nach vier Schlägen hat Fritz Kuhn (Grüne) am Freitag seinen Job vollendet und das erste Fass angezapft. Damit ist das 172. Cannstatter Volksfest offiziell eröffnet. Der Stuttgarter Oberbürgermeister ist mit seiner Leistung zufrieden: „Zwei Schläge braucht es, dann noch einen für die Sicherheit und einen für Sie, Frau Faber-Schrecklein“, erklärte er der SWR-Moderatorin, die durch die Eröffnung führte. Er freue sich auf ein fröhliches Fest mit Familie und Freunden, sagte Kuhn. Die erste Maß ging an Winfried Kretschmann (Grüne). Der Ministerpräsident nahm einen tiefen Schluck und prostete der Besuchermenge zu. Auch beim Wasen-Klassiker „Auf dem Wasa grasat d‘Hasa“ schmetterte der Politiker lauthals mit.

Was ist neu beim diesjährigen Wasen – und was war schon immer so? Zehn Fakten zum Cannstatter Volksfest:

1. Das Bier. Wie jedes Jahr steigt auch diesmal der Bierpreis: 10,20 bis 10,50 Euro verlangen die Festwirte für eine Maß. Damit kommt man im Schwabenland immer noch günstiger weg als beim Oktoberfest in München: Dort kostet die Maß in diesem Jahr bis zu 10,95 Euro.

2. Die Spar-Nachricht: Zwar ist das Bier teuer und die Fahrgeschäfte kosten Geld, aber ein Eintritt für das Gelände wird nicht verlangt. Da lacht das Schwabenherz!

3. Grüne Energie: Gar nicht so sparsam ist der Energieverbrauch des Wasen. Rund 1 760 000 Kilowattstunden Strom werden in den 17 Volksfest-Tagen verbraucht. Mit dieser Energie könnte man mehr als 800 durchschnittliche Zwei-Personen-Haushalte ein Jahr lang versorgen. Um die Luft nicht zu verpesten, nehmen sich sieben Festwirte aber erstmalig ein Beispiel am Vorreiter-Zelt „Schwabenwelt“ und beziehen Ökostrom. Den Stuttgarter Stadtwerken zufolge kann damit der Ausstoß von rund 300 Tonnen des schädlichen Treibhausgases CO2 vermieden werden. Aufatmen im Kessel!

4. Der Höhenrekord: Wer mal über den Kessel-Rand hinwegblicken will, kann seine Runden hoch über dem Wasen drehen. Das 80 Meter hohe Kettenkarussell „The Flyer“ ist zum ersten Mal auf dem Volksfest zu Gast. Mit bis zu 70 Stundenkilometern wirbelt es seine Besucher weit über den Bierzelten durch die Luft.

5. Die Sicherheit: Bis zu 165 Polizeibeamte pro Tag sollen die Feiernden auf dem Cannstatter Wasen schützen, wie Thomas Engelhardt, Leiter des zuständigen Polizeireviers, sagte. Es wird weniger Eingänge geben, damit die Polizisten mehr auf dem Gelände statt an den Eingängen im Einsatz sein können. Dort will man auch gezielt gegen Sexualdelikte vorgehen, da im Vorjahr 22 solcher Fälle zur Anzeige gebracht worden waren. Außerdem empfiehlt die Polizei, nur so viel Bargeld mitzunehmen wie nötig und Taschen immer verschlossen und mit den Reißverschlüssen nach innen zu tragen.

6. Der Umzug: Wer seine Bürgerpflicht am Wahlsonntag erfüllt hat, kann sich mit dem Volksfestumzug belohnen. Mit 50 Festwagen und rund 3500 Mitwirkenden bewegt sich der Zug durch die Cannstatter Altstadt. Auf den Wagen fahren unter anderem zehn Hochzeitspaare mit Gästen und eigenen Musikkapellen mit. Ihre Herkunft reicht vom Nordschwarzwald bis nach Slowenien.

7. Das Maskottchen: Der Wasenhasi stolziert als offizieller Glücksbringer über das Fest und ist für jedes Selfie zu begeistern.

8. Die Fruchtsäule: Seit 1818 ist die bunt geschmückte Säule auf jedem Wasen dabei. Heute nutzen die meisten Gäste sie als weithin sichtbaren Treffpunkt. Früher diente sie als Startpunkt für Pferderennen oder Podium für Kapellen.

9. Das Shopping-Erlebnis: Nicht nur zum Trinken und Achterbahn fahren kann man den Wasen besuchen. Zum Stöbern und Einkaufen eignet sich der Krämermarkt mit Lederwaren, Schmuck, Tee und Gewürzen.

10. Zum Schluss – die Anfänge: Ursprünglich hatte das Fest einen weniger vergnüglichen Hintergrund: Als im 19. Jahrhundert wirtschaftliche Not im Land herrschte, sollte das Volksfest die Viehzucht im Königreich fördern und die Landwirtschaft ankurbeln. Das erste „Landwirtschaftsfest zu Kannstadt“ feierte 1818 Premiere. Damals gehörten ein Pferderennen sowie ein Viehmarkt zum Programm. Dem Veranstalter zufolge kamen schon in den ersten Jahren rund 30 000 Menschen zum Fest. Heute werden rund vier Millionen Besucher erwartet.