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Der Schweizer Kürschnermeister Thomas Aus der Au präsentiert in seiner Werkstatt eine Weste aus Schweizer Rotfuchsfell.  Foto: Oelrich
Der Schweizer Kürschnermeister Thomas Aus der Au präsentiert in seiner Werkstatt eine Weste aus Schweizer Rotfuchsfell. Foto: Oelrich
12.02.2019

Pelz ist wieder salonfähig – Tierschützer sind alarmiert

Kürschner Thomas Aus der Au spritzt destilliertes Wasser auf die Lederseite eines Rotfuchsfells. Dann streckt er das Fellstück behutsam in eine halbrunde Kragenform. „Ein Naturprodukt, das ist flexibel und lässt sich formen“, sagt er zufrieden. Aus der Au führt sein Geschäft in Zürich in dritter Generation. Er verarbeitet Rotfüchse zu Pelzwesten, -krägen, -kapuzenrändern. Einst war das Pelztragen fast völlig verpönt.

Angesichts schockierender Berichte über Pelzfarmen, auf denen Tiere wegen des Fells fett gemästet, in engen und verdreckten Käfigen gehalten und rücksichtslos getötet wurden, traute sich kaum mehr jemand mit Pelz auf die Straße. Seit ein paar Jahren ist der Pelz aber wieder im Trend, etwa als Kapuzenrand oder Mützenbommel.

Gibt es Pelz, den man ohne schlechtes Gewissen tragen kann? Kürschner Aus der Au sagt ja. Sein Verband SwissFur („Fur“ ist englisch für Pelz) setzt sich seit Jahren für die Nutzung heimischer Felle ein.

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„2016 wurden hier bei der Jagd zur Bestandsregulierung 23.000 Rotfüchse erlegt. Es ist doch verrückt, die Felle wegzuschmeißen“, sagt er. „Kapuzenränder und Kragen aus Schweizer Fuchsfellen sind ökologisch und ethisch sinnvoll.“ Die Schweizer waren Vorreiter. Vor zehn Jahren reichte die Nachfrage bei Aus der Au gerade mal für etwa 50 Schweizer Rotfüchse im Jahr. Heute verarbeitet er bis zu 300.

„Herkunft aus Jagd“ ist auch in Deutschland im Trend. Jagdverbände haben die Abbalgstation Fellwechsel in Rastatt gegründet. Sie bereitet in zweiter Saison die Felle erlegter Tiere aus ganz Deutschland für Kürschner auf. Es laufe überragend gut, sagt Leiter Frederik Daniels. „Das Interesse der Jäger ist enorm.“ Bei der Vermarktung sei noch Luft nach oben, räumt er ein.

Von den 7000 Fellen der letztjährigen Saison sei etwa die Hälfte auf den Markt gekommen. Die Fuchsjagd endet im Februar. „Wir dürften dieses Jahr 10.000 Felle bekommen“, sagt er. Deutsche Kürschner werben unter dem Label „WePreFur“ (englisches Wortspiel: „prefer“ heißt vorziehen, die zweite Silbe wird ausgesprochen wie „fur“ – Pelz) für heimische Felle. Allein 500.000 Rotfüchse werden im Jahr hier erlegt.

Die Schweizer Geschwister Fabienne (21) und Simon (23) Gygax haben gerade die Modefirma RoyalFox für Jacken mit Pelzkapuzen aus heimischen Fellen gegründet. „Garantiert ohne Tierleid“, preisen sie ihr Angebot. „Wir sind aufseiten des Tierschutzes“, sagt Fabienne Gygax. Importfelle seien wegen der hohen Verarbeitungskosten in der Schweiz zwar billiger. „Aber die Nachfrage nach heimischen Produkten wächst, die Leute sind bereit, dafür zu zahlen.“

Dass Fell wieder salonfähig geworden ist, ärgert viele Tierschützer. „Wir sehen einen riesigen weltweiten Boom, das Zielpublikum sind junge Leute“, sagt Nina Bachellerie von der schweizerischen „Anti Fur League“. „In den 80er, 90er Jahren war die Industrie fast tot, aber sie hat Pelz in kleinen Stücken wieder eingeführt.“ Den Leuten werde vorgegaukelt: Es ist ja nur ein bisschen Fell, also in Ordnung. Bachellerie schöpft Hoffnung, dass der Pelz wieder verschwindet, weil Modehäuser wie Gucci oder Armani inzwischen ganz darauf verzichten.

Andreas Rüttimann von der Organisation „Tier im Recht“ hält nichts davon, Importpelze durch heimische Felle zu ersetzen: „Drittpersonen sehen es einem Pelzkragen nicht an, ob das Fell aus dem Innland kommt“, sagt er. Jeder Fuchs sei ein Statement pro Pelz. Es sei umstritten, ob die Fuchsjagd aus wildbiologischer Sicht sinnvoll ist.