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25.03.2009

„Phantom-Mörderin“ ein Irrtum? - Polizei prüft Verunreinigung

HEILBRONN. Das von der Polizei fieberhaft gesuchte „Phantom von Heilbronn“, dem mehrere Morde angelastet werden, hat es vielleicht nie gegeben. Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart untersucht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heilbronn vom Mittwoch, ob Wattestäbchen, mit denen Spuren an Tatorten gesichert wurden, schon vorher mit DNA verunreinigt waren. Dies hatte zuvor „stern.de“ berichtet.

Die „Frau ohne Gesicht“, als meistgesuchte Verbrecherin Deutschlands gejagt, wird mit sechs Morden und einem weiteren Todesfall in Verbindung gebracht. Die Polizei verdächtigt die als äußerst gefährlich geltende Serienverbrecherin, Ende April 2007 in Heilbronn eine 22 Jahre alte Polizistin kaltblütig erschossen zu haben. Für ihre Ergreifung wurde eine Belohnung von 300000 Euro ausgesetzt. In dem seit jeher mysteriösen Fall räumte die Polizei schon seit einiger Zeit ein, zunehmend ratloser zu sein. An mindestens 40 verschiedenen Tatorten in Baden-Württemberg, Rheinland- Pfalz, im Saarland und in Österreich waren die DNA-Spuren des „Phantom“ gefunden worden. Die Spur der Gewalt geht bis in das Jahr 1993 zurück.
Wie die Heilbronner Anklagebehörde weiter berichtete, geht das LKA seit April 2008 in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA), den Landeskriminalämtern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und dem Landeskriminalamt Oberösterreich der Möglichkeit einer Fremdverunreinigung nach. Im Kriminaltechnischen Institut des LKA seien mehrere hundert unbenutzte Wattestäbchen als sogenannte Leerproben untersucht worden. „Diese Untersuchungen verliefen ohne Ergebnis und ergaben keinen Hinweis auf Fremdkontaminationen“, heißt es in der Mitteilung weiter.
Dieser Hypothese wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Heilbronn seit Februar aber verstärkt nachgegangen. Anlass seien „verschiedene DNA-Treffer der “Unbekannten weiblichen Person“ (UwP) im Zusammenhang mit Sachverhalten, die aus kriminalistischer Sicht nicht mehr plausibel waren.“ Das Ergebnis der umfangreichen und sehr aufwendigen Überprüfungen liege noch nicht vor. „Bis zum Vorliegen eines gesicherten Ergebnisses zu einer möglichen Fremdkontamination von Spurensicherungsmaterialien sind konkrete Aussagen zu bestimmten Verunreinigungen beziehungsweise Spurenverursachern spekulativ.“
Die Wattestäbchen, die zur Sicherung von DNA-Spuren verwendet werden, sind nach „stern.de“ zwar ordnungsgemäß sterilisiert gewesen, aber Verunreinigungen durch menschliche Körperzellen - etwa aus Hautresten, Schweiß und anderen Sekreten - überleben nach Auskunft von Experten eine solche Maßnahme. Nach stern.de-Informationen sollen inzwischen Packerinnen eines norddeutschen Unternehmens für Medizinalbedarf Speichelproben abgegeben haben, um ihr DNA-Profil mit dem des „Phantoms“ abgleichen zu können. Dies wollte die Staatsanwaltschaft in Heilbronn jedoch nicht bestätigen.