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Photovoltaikanlagen - tödliche Gefahrenquelle bei Brand.
Photovoltaikanlagen - tödliche Gefahrenquelle bei Brand © dpa
25.08.2010

Photovoltaikanlagen - tödliche Gefahrenquelle bei Brand

STUTTGART. Feuerwehrmänner riskieren bei vielen Einsätzen ihr Leben - Photovoltaikanlagen bringen sie zusätzlich in Gefahr. Die Anlagen stehen ständig unter Strom und lassen sich nicht abschalten. Ausgerechnet die umweltfreundlichen Photovoltaikanlagen können für Feuerwehrmänner zur tödlichen Gefahr werden.  

Die Anlagen stehen mit bis zu 1000 Volt unter Spannung und lassen sich nicht einfach abschalten. „Mit den Photovoltaik-Anlagen haben wir beim Einsatz ein Zusatzproblem, das technisch noch nicht abschließend gelöst ist“, sagte Landesbranddirektor Hermann Schröder der dpa. Die Feuerwehren fordern daher, dass die Hersteller der Anlagen Systeme entwickeln, die die Gleichstrom-Spannung bei einem Brand auf maximal 120 Volt begrenzen. Bei mehr als 120 Volt besteht die Gefahr eines lebensgefährlichen elektrischen Schlages.

Auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) setzt sich dafür ein, die Brandschutzanforderungen für Photovoltaik-Anlagen zu verbessern. „Eine mögliche Verbesserung wäre Anbringung einer leicht zugänglichen Abschaltvorrichtung an Photovoltaikmodule als Voraussetzung für eine Baugenehmigung“, erklärte Pfister. Im April beauftragte die Bauministerkonferenz der Länder das Deutsche Institut für Bautechnik, einen Lösungsvorschlag auszuarbeiten.

Das Problem: Photovoltaik-Anlagen stehen praktisch immer unter Strom. Schon das Mondlicht oder Scheinwerfer der Feuerwehr bei einem Einsatz reichen aus, damit gefährlich hohe Spannung entsteht. Ausschalten lassen sich die Anlagen in aller Regel erst am sogenannten Wechselrichter, der den Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt. Die Leitungen bis zu dem Wechselrichter und die Solarmodule selbst stehen dagegen immer unter Spannung. Je näher der Wechselrichter am Dach ist, desto kürzer ist die Leitung und desto besser ist es für die Feuerwehr.
Einzelne Firmen bieten inzwischen sogenannte Feuerwehr-Schalter an, die die Unterbrechung des Stromflusses in Nähe der Photovoltaik- Elemente ermöglichen sollen. „Das grundsätzliche Problem ist damit aber nicht gelöst, allerdings eine wesentliche Verbesserung erzielt“, sagte Schröder. Bisher behelfen sich die Feuerwehren wie bei anderen unter Spannung stehenden Anlagen auch damit, einen Sicherheitsabstand zu den stromführenden Teilen und Leitungen beim Löschen einzuhalten.

Versuche, die Solarmodule mit Löschschaum abzudecken und so die weitere Stromerzeugung zu verhindern, brachten wenig. Die Module haben eine selbstreinigende Oberfläche, der Schaum rinnt nach kurzer Zeit herunter. Es bleibt aus Sicht der Feuerwehren daher nur eine Lösung: Die Stromerzeugungsquelle muss abgeschaltet oder zumindest soweit unterbrochen werden können, dass eine Spannung von weniger als 120 Volt entsteht.In der Industrie gibt es erste Versuche, das Problem in den Griff zu bekommen. Beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) heißt es, die Hersteller arbeiteten an technischen Schutzmaßnahmen. Dies könnten feuersicher verlegte Gleichstromkabel, Spannungsbegrenzungen oder Lösungen zur Abschaltung der Anlagen sein. Der Konstanzer Solarzellenhersteller Sunways plant nach eigenen Angaben Tests mit fernauslösenden Schaltern, die die Spannung der Solarmodule auf eine ungefährliche Größe verringern sollen.

Bis die neue Technik greift, dürfte der eine oder andere Feuerwehrmann brennende Häuser weiterhin mit einem mulmigen Gefühl löschen. Tödliche Unfälle gab es nach Angaben der Feuerwehrverbände bisher weder in Baden-Württemberg und noch in einem anderen Bundesland. Hausbesitzer mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach müssen nicht fürchten, dass die Feuerwehr sie im Stich lässt. „Kein Mensch braucht Angst zu haben, dass er nicht gerettet wird, weil er eine Solaranlage auf dem Dach hat“, sagte der Fachgebietsleiter Recht des baden-württembergischen Landesfeuerwehrverbandes, Hendrik Roggendorf.