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Ein Hahn steht in der Notstation des Tierschutzverein in Tübingen in einem Käfig. Das Tier hatte sich längere Zeit auf dem Friedhof in Mössingen aufgehalten. Friedhofsbesucher hatten sich beschwert, dass er Blumenbeete und Gräber aufscharre. Daraufhin bat die Gemeindeverwaltung den Tierschutzverein, den Vogel einzufangen.
Ein Hahn steht in der Notstation des Tierschutzverein in Tübingen in einem Käfig. Das Tier hatte sich längere Zeit auf dem Friedhof in Mössingen aufgehalten. Friedhofsbesucher hatten sich beschwert, dass er Blumenbeete und Gräber aufscharre. Daraufhin bat die Gemeindeverwaltung den Tierschutzverein, den Vogel einzufangen. © dpa
05.08.2015

«Pietätloser» Hahn auf Friedhof hält Tierschützer zum Narren

Mössingen (dpa/lsw) - Ein wilder Hahn auf einem Friedhof in Mössingen (Kreis Tübingen) hat wochenlang die Tierschützer beschäftigt. Friedhofsbesucher hatten sich beschwert, dass er Blumenbeete und Gräber aufscharre, um Samen auszugraben. Daraufhin bat die Gemeindeverwaltung den Tierschutzverein, den Vogel einzufangen. Jetzt hatten die Häscher des Gockels Erfolg.

«Sechs Mal sind wir angerückt, bis wir ihn erwischt haben», sagte Felix Wagner, Leiter des Tierheims Tübingen, der mit der Jagd beauftragt war. «Er war sehr schnell und mit seiner Taktik sehr erfolgreich.» Auf dem Friedhof habe er sich in den Brennnesseln versteckt. «Wenn wir ihm zu nahe kamen, ist er über einen Bach geflüchtet und hat uns abgehängt», sagte Wagner am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Zuvor hatte das «Schwäbische Tagblatt» (Mittwoch) darüber berichtet.

Nachdem die ersten Fangversuche mit einem Kescher nicht funktionierten, versuchte Wagner es mit personeller Verstärkung und einem Huhn, das den Gockel anlocken sollte - ebenfalls ohne Erfolg. Katzen- und Hundefallen hätten auch nicht funktioniert. Schließlich rüstete Wagner zu einer Treibjagd auf und rückte am Montagabend mit zwölf Mann dem Tier zu Leibe. Der Fluchtweg über den Bach wurde abgeriegelt. Mit Hund, Netz und sieben Keschern ging der Vogel schließlich in die Falle.

Wo das Tier herkam, ist unbekannt. Vermutlich schlief es auf einem Baum. Auf dem Friedhof hatte der Hahn sich etabliert und sein Futter gegen Eichhörnchen und Elstern verteidigt. Seine Rasse ist den Tierschützern bisher nicht bekannt. «Er sieht etwas südeuropäisch aus, eventuell ist es sogar ein Kampfhahn», sagte Wagner.

Nun lebt er bei einer Tierschützerin. «Den Winter hätte der Hahn auf dem Friedhof nicht überlebt», meint Wagner. Er wäre verhungert oder dem Fuchs zum Opfer gefallen. Und die Friedhofsbesucher? Viele werden ihn vermissen, so Wagner, denn «ein paar haben ihn geliebt».