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Beleidigungen, obszöne Gesten oder die Behinderung von Rettungskräften sind nur schwer nachvollziehbar. Doch immer wieder geschieht so etwas. Auch in Baden-Württemberg.
Beleidigungen, obszöne Gesten oder die Behinderung von Rettungskräften sind nur schwer nachvollziehbar. Doch immer wieder geschieht so etwas. Auch in Baden-Württemberg. © dpa
13.07.2017

Pöbeleien bei tödlichem Unfall - Polizei fordert Konsequenzen

Achern (dpa/lsw) - Nach Pöbeleien gegen Rettungskräfte bei einem tödlichen Unfall auf der Autobahn 5 bei Achern fordert die Polizei Konsequenzen.

«Man muss Polizei und Rettungskräfte in die Lage versetzen, solche Vorfälle tatsächlich zu verfolgen», sagte Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Baden-Baden, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Um Pöbler zur Verantwortung zu ziehen, müsste man nach jetziger Rechtslage erst die Personalien der Menschen in einem Wagen feststellen. Dazu hätten Rettungskräfte aber bei einem Unfall keine Zeit.

Bei dem tödlichen Unfall am Mittwochabend kurz nach der Anschlussstelle Achern konnten Feuerwehrwagen nur langsam zur Unfallstelle durchkommen, weil es teils keine Rettungsgasse gab. Als Feuerwehrleute die Autofahrer aufforderten, zur Seite zu fahren, wurden die Helfer beschimpft und bedroht. Die Notärztin musste die letzten Meter zur Unfallstelle zu Fuß gehen. Die Pöbler kommen demnach ungeschoren davon, weil die Rettungskräfte so schnell wie möglich zur Unfallstelle mussten und sich nicht mit Feststellung der Personalien aufhalten konnten.

Ein 56 Jahre alter Mann aus Bruchsal war bei dem Unfall mit seinem Wagen aus bislang ungeklärter Ursache von der Fahrbahn abgekommen und in eine Böschung geraten. Von dort fuhr er wieder auf die Autobahn, wo er mit einem anderen Auto kollidierte. Der 56-Jährige starb, seine Beifahrerin kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Der Fahrer des anderen Autos wurde leicht verletzt. Die Autobahn Richtung Karlsruhe wurde knapp drei Stunden lang gesperrt.

Die Diskussion über härtere Strafen gegen Autofahrer, die bei Unfällen die Zufahrt für Rettungskräfte behindern, war durch einen verheerenden Brand eines Reisebusses bei Münchberg mit 18 Toten ausgelöst worden. Weil die Rettungsgasse nicht breit genug war, verloren vor allem große Einsatzfahrzeuge wertvolle Zeit. Auf der Gegenfahrbahn verursachten zudem Gaffer beinahe weitere Unfälle.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte danach an, die Geldbuße von bisher 20 Euro zu verzehnfachen. Notgassen-Blockierern sollten mindestens 200 Euro und zwei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei drohen, in schweren Fällen zudem ein Monat Fahrverbot.

Seit Ende Mai gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten oder leisten wollen. Darauf stehen nun Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.

«Wir bräuchten Erleichterungen bei der Verfolgung solcher Delikte wie die Einführung einer Halterhaftung», meinte Westermann. Dann könnten Polizei oder Feuerwehr das Kennzeichen eines Autos fotografieren und den Halter des Fahrzeugs belangen.

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