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Die AfD ist nach dem Verlust eines Fraktionsmitglieds geschwächt. Vor allem der interne Schaden sei erheblich, meint der Stuttgarter Politologe Frank Brettschneider. Aber wie werden wohl die Wähler reagieren auf den neuen Streit?
Die AfD ist nach dem Verlust eines Fraktionsmitglieds geschwächt. Vor allem der interne Schaden sei erheblich, meint der Stuttgarter Politologe Frank Brettschneider. Aber wie werden wohl die Wähler reagieren auf den neuen Streit? © dpa
19.12.2016

Politik-Experte sieht noch keine «Totenglocken» läuten für die AfD

Stuttgart (dpa/lsw) - Nach dem Austritt der Stuttgarter Landtagsabgeordneten Claudia Martin aus der AfD sieht der Politologe Frank Brettschneider die Partei zwar beschädigt, aber nicht am Ende. «Es wäre zu früh, jetzt die Totenglocken der AfD zu läuten», sagte er mit Blick auf den Schritt der Politikerin und die Flügelkämpfe innerhalb der Partei. «Dazu ist das Unmut-Potenzial unter den Wählern einfach zu groß», sagte er. Brettschneider meinte, dass die Partei bei der Bundestagswahl im Herbst aus diesem Potenzial schöpfen könne. Die Abgeordnete Martin hatte ihren Parteiaustritt am Wochenende mit einem «Rechtsruck» in der AfD begründet.

Umfrage

Innerhalb der AfD gibt es nach dem Parteiaustritt der Abgeordneten Claudia Martin wieder Unruhe. Zerstört sich die AfD so langsam selbst?

Ja 25%
Nein 57%
Die AfD interessiert mich nicht 18%
Stimmen gesamt 660

Die Wähler störe solch eine Streiterei innerhalb der AfD um die abtrünnige Abgeordnete erst einmal kaum, «weil ihre Wahlgründe andere sind», meinte der Wissenschaftler. «Sie haben die AfD nicht wegen des Programms gewählt, sondern um den etablierten Parteien eine reinzuwürgen.» Langfristig seien aber Folgen solcher internen Querelen denkbar, weil die Kraft der Partei nicht unbeschränkt sei.

Bisher sei vor allem der innere Schaden für die AfD durch den Austritt von Martin erheblich. «Je mehr das nach innen gerichtet ist, desto weniger Gelegenheit gibt es, nach außen aktiv zu werden», sagte Brettschneider. Die Lage der AfD sei noch nicht vergleichbar mit den Piraten, die sich durch eine dauerhafte Beschäftigung mit sich selbst am Ende zerlegt hätten. Gleichwohl sei die AfD im Südwesten inzwischen weniger offensiv als zu Beginn des Jahres. Es gebe eine gewisse Stagnation in Meinungsumfragen. «Das sind aber immer nur Momentaufnahmen», betonte der Politologe.

Auch Brettschneider sieht einen «Rechtsruck» bei der Partei. Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen, der die Fraktion im Stuttgarter Landtag führt, stehe inzwischen fast allein da mit seiner Darstellung, dass die AfD keinen Kurswechsel vollzogen habe. Er sei als «Beschwichtiger» unterwegs. «Bei Meuthen ist nie so richtig klar, welchem Lager er angehört», sagte Brettschneider. Im Landtag führt Meuthen die - nach der Regierungskoalition der Grünen und der CDU - drittstärkste Fraktion - vor SPD und FDP.