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Die Reihen von FDP und CDU werden weiter geschüttelt von Plagiatsvorwürfen. Dem CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock wurde jüngst sein Doktortitel von der Universität Tübingen aberkannt. Foto: dpa
doktor © dpa
06.07.2011

Politiker stolpern über Doktortitel

TÜBINGEN. Ob Affären um gekaufte Doktortitel oder Plagiatsvorwürfe: Mehrere Politiker mussten auf ihre akademischen Würden wieder verzichten - zuletzt der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). Weitere Beispiele:  

KARL-THEODOR ZU GUTTENBERG (CSU) - In der Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers wurden im Februar Plagiate entdeckt. Wenig später erkannte ihm die Uni Bayreuth den Doktortitel ab. Nach heftigen Protesten der Opposition und in der Bevölkerung trat Guttenberg im März von seinen Ämtern zurück. Die Uni Bayreuth erklärte in ihrem Abschlussbericht, dass der CSU-Politiker vorsätzlich getäuscht habe. Nach dem Fall zu Guttenberg haben sich im Internet unzählige Menschen zusammengetan und Doktorarbeiten von weiteren Prominenten auf Plagiate durchsucht.

 

SILVANA KOCH-MEHRIN (FDP) - Rund 120 Stellen in der Doktorarbeit der Europapolitikerin waren ohne Angaben der Quelle abgeschrieben. Die Universität Heidelberg entzog ihr deshalb im Mitte Juni ihren Doktortitel. Koch-Mehrin war bereits im Mai nach Bekanntwerden der Vorwürfe von ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und als Vizepräsidentin des Europaparlaments zurückgetreten. Nach der Aberkennung ihres Doktortitels geriet sie dann noch einmal in die Schlagzeilen, als sie überraschend Vollmitglied im Forschungsausschuss des EU-Parlaments wurde. Nach massivem Protest aus der Wissenschaft gab sie schließlich auch diesen Posten ab.

 

JORGO CHATZIMARKAKIS (FDP) - Der Europaabgeordnete wehrt sich derzeit gegen die mögliche Aberkennung seines Doktortitels. Nachdem im Internet Plagiats-Vorwürfe laut geworden waren, prüft nun die Universität Bonn Chatzimarkakis Dissertation. Eine Entscheidung über die Aberkennung des Doktortitels gibt es noch nicht. Der FDP-Politiker betont, er habe keinen einzigen Text aus einem Werk übernommen, das er nicht erwähnt habe.

 

DIETER JASPER (CDU) - Der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete wurde Anfang Mai zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt, weil er einen Doktortitel zu Unrecht geführt hat. Jasper hatte den Doktortitel der Wirtschaftswissenschaften 2004 an einer Universität in der Schweiz erworben, die gegen Geld akademische Grade vergeben soll. Im Wahlkampf hatte der CDU-Kandidat mit diesem Titel auf Plakaten und Broschüren geworben.

 

KAI SCHÜRHOLT (CDU) - Der Oberbürgermeisterkandidat der Landauer CDU hatte sich 2007 im Wahlkampf mit einem Doktortitel geschmückt, obwohl er seine Promotion noch längst nicht abgeschlossen hatte. Als der Schwindel aufzufliegen drohte, erfand Schürholt eine Tumorerkrankung, um aus dem Wahlkampf in der rheinland-pfälzischen Kommune aussteigen zu können. Das Amtsgericht Landau verurteilte den studierten Theologen im Juni 2009 wegen Titelmissbrauchs zu einer Geldstrafe von 7500 Euro. dpa

 

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