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Die AfD entlarvt sich selbst, meint der Politologe Wolfgang Seibel. Damit schrecke sie Wähler ab, die bei der Landtagswahl aus dem bürgerlichen Lager zu ihr gewechselt seien.
 
Die AfD entlarvt sich selbst, meint der Politologe Wolfgang Seibel. Damit schrecke sie Wähler ab, die bei der Landtagswahl aus dem bürgerlichen Lager zu ihr gewechselt seien.   © dpa
09.07.2016

Politologe: AfD-Querelen schrecken bürgerliche Wähler ab

Die Querelen in der baden-württembergischen AfD wirken aus Sicht des Politologen Wolfgang Seibel auf bürgerliche Wähler dieser Partei desillusionierend. «Allen, die dachten, die AfD wäre eine Partei wie jede andere, dürfte es wie Schuppen von den Augen fallen», sagte Seibel mit Blick auf die Spaltung der AfD-Landtagsfraktion.

Der Fraktionsbruch mache deutlich, dass die Partei ganz viele Menschen anziehe, die weder auf dem Boden der Verfassung stünden noch handlungsfähig im Politikbetrieb seien, sagte der Konstanzer Wissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die AfD war mit 15,1 Prozent in den Landtag eingezogen.

In der Gestalt des mit Antisemitismusvorwürfen konfrontierten Abgeordneten Wolfgang Gedeon zeige sich, dass rechtsradikales Gedankengut in der AfD vorhanden sei. «Sonst wäre Gedeon total isoliert worden. Es hätte keiner Gutachten zu seinen Schriften bedurft und die Abstimmung gegen seinen Verbleib in der Fraktion wäre erfolgreich gewesen.» Gedeon hatte nach dem Austritt von Ex-Fraktionschef Jörg Meuthen und seinen Getreuen sowie nach Gesprächen mit Meuthens Co-Vorsitzender in der Bundespartei, Frauke Petry, die Fraktion verlassen.

Die Kritik der alten AfD an Meuthen, der inzwischen eine neue Fraktion namens Alternative für Baden-Württemberg gegründet hat, sei ein Ablenkungsmanöver, sagte der Wissenschaftler. Damit werde versucht, die Antisemitismusdebatte und die Unfähigkeit, konsequent mit dem Thema umzugehen, zu verdrängen. Die CDU habe es hingegen geschafft, ihren früheren Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann 2004 nach einer als antisemitisch kritisierten Rede aus der CDU auszuschließen. Hohmann gehört mittlerweile der AfD an.