nach oben
Blick auf das Stadtfest «Schorndorfer Woche»: Am späten Samstagabend war es am Rande des Events zu gewaltsamen Auseinand
Blick auf das Stadtfest «Schorndorfer Woche»: Am späten Samstagabend war es am Rande des Events zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Foto: Christoph Schmidt
19.07.2017

Polizei ermittelt nach Stadtfest gegen Flaschenwerfer und Grapscher

Schorndorf (dpa/lsw) - Die Ermittlungen der Polizei nach den Übergriffen auf Beamte und Gäste und der sexuellen Belästigung von Frauen auf dem Schorndorfer Stadtfest laufen auf Hochtouren.

Die Beamten ermitteln in mehreren Fällen sexueller Übergriffe. Drei Afghanen werden demnach verdächtigt, am Samstag eine 17-Jährige begrapscht zu haben. Ein Iraker soll am Freitag eine 25-Jährige belästigt haben. Die vier jungen Männer sind auf freiem Fuß. Die Polizei stelle derzeit die Zahl aller angezeigten Straftaten zusammen, wie ein Sprecher am Mittwoch weiter sagte. Geprüft werden demnach auch Aussagen von Zeugen, die Gruppen mit Messern und einer Schreckschusspistole in der Stadt gesehen haben wollen.

Das Polizeipräsidium Aalen will an diesem Donnerstag über den aktuellen Stand Auskunft geben. Nach dem Ende des Stadtfestes ermittelt die Polizei Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) zufolge in sechs Fällen sexueller Belästigung. «Das ist nicht gleichbedeutend mit sechs betroffenen Frauen, es können darunter auch Doppelanzeigen sein.» Zuvor war von vier Übergriffen die Rede gewesen.

Bei dem am Dienstagabend beendeten Fest in der schwäbischen Stadt waren in der Nacht zum Sonntag aus einer Gruppe von rund 1000 jungen Menschen heraus Festgäste und Polizisten angegriffen worden. Es wurden Flaschen geworfen, von denen die Beamten aber wegen ihrer Schutzkleidung nicht verletzt worden waren. Nach dpa-Informationen gibt es keine Anzeichen, dass sich bei den Auseinandersetzungen im Schorndorfer Schlosspark Migranten zusammengetan haben, um Straftaten zu verüben. Am letzten Abend war es ruhig geblieben. Die Polizei hatte nach den Vorfällen vom Wochenende ihre Präsenz verstärkt.

Unterdessen entbrannte eine Diskussion um die Folgen der Aufnahme von Flüchtlingen. CDU-Führungsmitglied Jens Spahn forderte eine ehrlichere Debatte über die Probleme der Integration in Deutschland: «Schorndorf ist nur ein Sinnbild dafür, was jeden Tag an vielen Orten in Deutschland passiert. Es wird immer klarer, wie groß die Aufgabe der Integration ist», sagte Spahn der «Welt» (Mittwoch). Jeden Tag könne man in Regionalzeitungen von Übergriffen auf Frauen lesen: «Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Zu viele sind der Meinung: Jede andere Kultur ist per se eine Bereicherung.»

SPD-Vize Ralf Stegner meldete über Twitter, er empfinde auch nicht jeden Beitrag «vom Stahlhelmflügel der Union» als Bereicherung. Applaus für Spahn gab es hingegen von der AfD. «Es ist erfrischend, dass just Sie diese Positionen erwähnen, denn kämen sie von mir, würden sie höchstwahrscheinlich als rechtsradikal abgetan werden», schrieb AfD-Vize Alexander Gauland am Mittwoch in einem Offenen Brief an Spahn.

Mehr zum Thema:

Übergriffe bei Schorndorfer Stadtfest: Ruf nach Konsequenzen

Krawalle und sexuelle Übergriffe bei Volksfest